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LinkedIn-Optimierung vom Profi: Im Interview mit Friederike Gonzalez-Schmitz

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Das Berufsnetzwerk LinkedIn hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt: Inzwischen nutzen schon 500 Millionen Menschen weltweit -davon 11 Millionen in der DACH-Region- die Karriereplattform. Letzte Woche habe ich auf Basic Thinking ein paar Tipps zum "Pimpen" des eigenen LinkedIn-Profils gegeben und gemerkt, wie groß das Interesse an dem Thema war. Grund genug also, sich einmal mit der LinkedIn-Expertin Friederike Gonzalez Schmitz zusammenzusetzen, sie über ihre Tätigkeit zu befragen und sich noch ein paar Profi-Tipps zur Optimierung des eigenen Profils abzuholen!  

 

Liebe Friederike, erzähl doch einmal kurz, wer du bist, was du machst und wie du dazu gekommen bist!

Friederike Gonzalez Schmitz:  Mein Name ist Friederike Gonzalez Schmitz und ich habe mich als Social-Media-Beraterin 2012 selbständig gemacht. Seit 2013 biete ich Webinare zur LinkedIn-Nutzung an und unterstütze  selbständige Unternehmer, Führungskräfte und Jobsuchende bei der Optimierung und Erstellung von aussagekräftigen und professionellen LinkedIn-Profilen. In Online-Trainings erfahren meine Kunden, wie sie LinkedIn für ihr Personal Branding – sei es national oder international nutzen können.

Vor meiner Selbständigkeit war ich in der IT-Branche als Social Media PR Managerin in internationalen Teams tätig. Wir haben internationale Social-Media-Kampagnen geplant und durchgeführt.

 

Warum ist es gerade in der heutigen Zeit so wichtig, auf das eigene LinkedIn-Profil zu achten?

Friederike Gonzalez Schmitz: Das Selbstmarketing im Internet gehört im Zeitalter der Digitalisierung einfach dazu. Bevor ich mir den Vortrag auf einer Konferenz anhöre oder ein Seminar besuche, kann ich den Namen des Referenten auf Google recherchieren und finde idealerweise  ein interessantes und aussagekräftiges Online-Profil. Dadurch gewinne ich einen ersten guten Eindruck von der Person. Bin ich überzeugt, buche ich. Recruiter suchen auf Online-Portalen nach Fach- und Führungskräften und setzen, je nach Branche, ein solches Profil bereits voraus. Wenn Sie auf LinkedIn sind, können Sie sich auch einen ersten Eindruck des Interview-Partners machen.

Da man heute deutlich häufiger den Job wechselt als es früher der Fall war, bekommt das Netzwerken auf Businessportalen für Arbeitnehmer einen besonderen Stellenwert. Es ist sehr stark davon auszugehen, dass man als aktiver Netzwerker für eine Vertriebs- oder Marketingposition  bessere Chancen hat, schneller seinen Traumjob zu finden, als jemand, der kein Profil oder nur ein stiefmütterlich betreutes Profil angelegt hat.

 

Was unterscheidet LinkedIn in der Funktionalität von XING?

Friederike Gonzalez Schmitz: Du hast völlig Recht: Auch wenn LinkedIn und XING Business-Netzwerke sind, gibt es ein paar Unterschiede. 

LinkedIn ist das weltweit größte Business-Netzwerk mit ca. 467 Millionen Mitgliedern insgesamt und ca. 11 Millionen im deutsch-sprachigen Raum. XING ist international nicht so bekannt, dafür wird es in der Region DACH mit ca. 13 Millionen sehr aktiv genutzt.  Für Unternehmen mit internationaler Ausrichtung hat LinkedIn viel Potenzial, über Ländergrenzen hinweg Kontakt zu Mitarbeitern oder Kooperationspartnern herzustellen. Vor allem in den Branchen Finanzdienstleistungen, IT Consulting und Automobil-Sektor wird LinkedIn genutzt. Aus den DAX-Unternehmen sind mehr Mitarbeiter auf LinkedIn als auf XING registriert.

Auf LinkedIn ist es für die Mitglieder teils schwerer, sich mit komplett fremden Personen zu vernetzen bzw. diesen Kontaktanfragen zu senden. Wenn man schnell viele neue Kontakte benötigt, stösst man an gewisse Grenzen oder sollte sich für eine Premium-Mitgliedschaft entscheiden. Kontaktanfragen an Unbekannte sind auf XING gang und gebe. Ob sie bestätigt werden, ist eine andere Frage.

Auf der anderen Seite gibt es auf LinkedIn viele Möglichkeiten, ein ausführliches Profil mit Bildern, Videos und Links auszufüllen, ohne eine Premium-Mitgliedschaft zu buchen. Ein Vorteil sind mehrsprachige Profile, welche für Unternehmer mit internationalen Aktivitäten interessant sind.

Ich kenne viele Nutzer, die LinkedIn langfristig mit dem Basis-Account nutzen, während für aktive Netzwerker auf XING immer eine Premium-Mitgliedschaft Sinn macht um intensiv mit der Suche arbeiten zu können und ein Portfolio einrichten zu können.

Mitgliedschaften für Jobsuchende starten bei 10 € im Monat. Besondere Premium-Funktionen bieten sich für Sales-Leute (Sales Navigator), Recruiter (Recruiter Lite) und Unternehmer (Business plus) an.

Ich mag LinkedIn sehr gerne, finde die Diskussionen und die Beiträge im Newsfeed dort deutlich inspirierender als auf XING. Eine Funktion vermisse ich allerdings auf LinkedIn: Die Event-Funktion. Derzeit gibt es auf LinkedIn hierfür kein passendes Äquivalent.

 

Was sind deine 3 wichtigsten Optimierungstipps?

Friederike Gonzalez Schmitz:

1. Ich empfehle jedem, sein Profil mit Hinblick auf sinnvolle Keywörter zu überarbeiten. Du solltest sicherstellen, dass diese in den Bereichen Profil-Slogan, Zusammenfassung und Details der Berufserfahrung aufgeführt werden, da sich dadurch die Chance erhöht, von Recruitern, Kunden oder Kooperationspartnern gefunden zu werden.

2. Die Zusammenfassung wird leider in vielen deutsch-sprachigen Profilen vergessen, was schade ist. Dieser Bereich ist auf LinkedIn Deine Bühne, wo Du über Dich, Deine Expertise, Deinen Nutzen für Unternehmen und Deine Vision schreiben kannst. Es ist in vielerlei Hinsicht ein Bereich, der wirklich nicht fehlen sollte.

3. Außerdem kannst Du Dich von anderen Profilen abheben, indem Du Bildmaterial Videos etc zu den beruflichen Stationen oder der Zusammenfassung hinzufügst. Es ist selbsterklärend, dass Du ein professionelles Profilbild hinterlegst und idealerweise ein zu Dir passendes Hintergrundbanner einbaust.

Es ist meiner Meinung nach wichtig, sich im Rahmen der Selbstmarketing-Aktivitäten nicht nur auf die Texte, sondern auch um die professionelle Gestaltung, den Wiedererkennungswert durch Bilder, Banner, Farben etc zu kümmern. Das Ziel sollte sein, gefunden zu werden und online einen ersten richtig guten Eindruck zu hinterlassen!

 

Gibt es Funktionen, die oft übersehen werden?

Friederike Gonzalez Schmitz: Oh ja! Es wird oft übersehen, dass man über den Klick auf das Profil einer Person, eine personalisierte Kontaktanfrage senden kann. Viele Nutzer klicken unter „Personen, die Sie vielleicht kennen“ sofort auf „Vernetzen“, was eine unpersönliche Kontaktanfrage zur Folge hat. Mit dem Besuch des Profils der Person und dem Klick auf „Vernetzen“, kann man eine personalisierte Kontaktanfrage senden, was deutlicher höflicher ist und eher der LinkedIn-Netikette entspricht. Dadurch steigerst Du ja auch die Chance, dass die Anfrage bestätigt wird.

 

Welche Fehler sollte man bei LinkedIn unbedingt vermeiden?

Friederike Gonzalez Schmitz: Das ist eine sehr gute Frage: In meinen Augen ist es die Verknüpfung des Adressbuches mit dem LinkedIn-Profil. Dies hat leider zur Folge, dass „Hin- und Kunz“ aus dem persönlichen Online-Adressbuch zu LinkedIn eingeladen werden, was bei vielen, vor allem den Social-Media-Skeptikern negativ auffällt. Wie Ihr diesen Fauxpas in Zukunft vermeiden könnt, erfahrt Ihr in diesem Blogbeitrag:  https://www.socialmediainternational.de/2018/03/08/schluss-mit-den-unpersoenlichen-einladungen-ins-netzwerk-linkedin/.

 

Wie bewertest du die Videofunktion von LinkedIn?

Friederike Gonzalez Schmitz: Du meinst sicherlich die life Videos, wie wir sie auf Facebook sehen. Ich erlebe derzeit noch relativ selten, dass davon Gebrauch gemacht wird. In meiner Timeline sind das eher die amerikanischen Kontakte. Generell ist es ein tolles Tool, um noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren und das Netzwerk wird noch interaktiver. Wichtig hierbei ist es, LinkedIn als Business-Netzwerk zu bewahren und nur dann die Video-Funktion zu verwenden, wenn es ein Business-Thema ist und man sich entsprechend präsentiert. Ich persönlich finde, dass beim Einsatz von Videos noch mehr auf Qualität geachtet werden sollte, als auf Facebook, welches ja von vielen nur für private Zwecke verwendet wird.

 

Hast du Erfahrungen von Unternehmen, die LinkedIn als Marketingkanal nutzen?

Friederike Gonzalez Schmitz: Es gibt eine Menge kleinere als auch mittelständische Unternehmen, die LinkedIn als Kanal nutzen. Die ganz großen sind da ja sowieso, da LinkedIn sich hervorragend für Employer-Branding -Aktivitäten eignet. Teilweise unterstütze ich Unternehmen bei den ersten Schritten auf LinkedIn. 

Kleineren Unternehmen empfehle ich immer, neben dem Unternehmensprofil auch über die persönlichen Profile der Geschäftsleitung zu kommunizieren, da es da leichter ist, sich eine große Community aufzubauen. Unternehmensseiten auf LinkedIn sind halt recht statisch und es braucht lange, um sich eine größere Followerschaft aufzubauen. Es sei denn, man greift tiefer ins Portemonnaie und zahlt für Werbung auf LinkedIn.

 

Für wen könnte dies -auch außerhalb der Jobsuche- besonders interessant sein?

Friederike Gonzalez Schmitz: Selbständige Unternehmer, Fach- und Führungskräfte sollten sich LinkedIn anschauen und dort die Möglichkeiten für ihr Personal Branding nutzen. Wenn man keinen Job sucht, benötigt man gute Geschäftskontakte und Kunden – genau diese lassen sich auf LinkedIn finden. Vor allem, wenn diese in den oben genannten Branchen tätig sind und eine internationale Ausrichtung haben.

Das Einrichten des persönlichen Profils ist kostenfrei. Um Erfolge zu sehen, gehört es dazu, sich regelmäßig auf der Plattform mit eigenen Beiträgen einzubringen und sein Netzwerk stetig auszubauen.

 

Liebe Friederike, ich bedanke mich sehr herzlich für dieses informative Gespräch!

 

 

Über Friederike Gonzalez Schmitz:
die selbständige Socia-Media-Beraterin unterstützt vor allem Unternehmer, Führungskräfte und Jobsuchende beim Erstellen oder Optimieren Ihrer LinkedIn-Profile. In Webinaren und Online-Trainings zeigt sie, wie man mit LinkedIn international bekannter wird und die Plattform für das Personal Branding einsetzen kann. Mehr über Ihre Aktivitäten erfahrt Ihr hier: www.socialmediainternational.de

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