Dies & Das

Smile- and the world smiles back“ - Die Kraft der positiven Gedanken

Dies & Das

Früher hatte ich mein Lebensmotto dick und fett in meinem Kinderzimmer hängen: DAS LEBEN IST SCHÖN! So simpel. So einfach. So schön. Bis auf die üblichen pubertären Lebenskrisen kam ich damit perfekt durch. Nach dieser Lebenseinstellung zu leben festigte mich einerseits- ließ mich andererseits leichter, fröhlicher durch den Alltag schreiten. Ich hatte eine angenehme, leicht naive Grundüberzeugung: Das Leben ist gut und muss mich ansonsten erst einmal vom Gegenteil überzeugen.  

Ich verdanke meinem Vater dieses Vertrauen. Er versorgte mich regelmäßig mit einem beruhigenden: „Alles wird gut.“Es würde mich freuen, wenn jedes Kind vor dem Einschlafen mit einem „Gute Nacht“ verbunden mit der „Alles wird gut“ - Einstellung ins Bett gehen dürfte.

Ich nahm es mit, dieses Vertrauen in die Welt, diesen Optimismus - ich lebte danach. Ist das Leben halb leer oder halb voll? Na, halb voll natürlich! Ich lebte meine Kindheit, verschwendete meine Jugend, war fröhlich, wild, unvernünftig, tanzte, knutschte, erlebte Abenteuer, reiste, lernte tausend Menschen kennen, machte Nächte durch, machte neue Freunde, lachte. Ich lebte eben.

Jetzt, ein paar Jahre später als vor ein paar Jahren noch, stellte ich fest, dass ich irgendwo entlang des Wegs, irgendwo im Strudel des Arbeitslebens und des Älterwerdens vergessen hatte, dieses lebensfrohe Kind zu sein.

 

Wo war mein „Das Leben ist schön“ verloren gegangen?

 

Sorgen lagen nun viel schwerer auf meinen Schultern als früher der Schulranzen.

 

Ich ertappte mich dabei, dass ich in einer kurzen Evaluation eines Augenblicks dazu tendierte, zunächst einmal eine negative Abschätzung der Lage zu machen, statt eine positive. Ich denke darüber nach, wie müde ich am nächsten Tag sein werde und gehe lieber früh nach Hause. Warum nicht wie früher einfach unvernünftig sein und sich überlegen, dass eine durchgetanzte Nacht die Müdigkeit wert sein kann? Einfach Spaß haben?! Auch merke ich, dass ich leichter genervt war, schneller sorgenvoll, manchmal ängstlich. Aber warum eigentlich? Objektiv gesehen hatte ich doch ein Top-Leben. Ist das automatisch so, wenn man älter wird? Schleichen sich nun Ängste und Sorgen in das Leben, die früher noch unsere Eltern übernommen haben?

Ich vermisse den grundlegenden Optimismus, mir fehlt meine kindliche Neugier, mir fehlt die kindliche Freude über die kleinen Dinge des Lebens, die damals groß erschienen, ich vermisse Überraschungen. Doch wo entstehen diese Gefühle und Moment? Genau – die Impulse dazu werden im Kopf ausgelöst. Nun bin ich wirklich keine Therapeutin, keine Psychologin und mit größter Sicherheit Galaxien entfernt von jeglicher Esoterik. Doch an eins glaube ich: An die Macht, die durch eine optimistischen, positiven Grundeinstellung entsteht. Die Kraft, die dazu führt, dass wir wieder ein bisschen mehr jung sind- und leichter leben, so wie früher.

Ich habe letztens von einer Studie zum gleichen Thema gelesen, die mich beeindruckte: Eine Harvard-Professorin teilte Putzfrauen in einem Hotel in zwei Gruppen. Der einen Gruppe wurde erzählt, dass ihre Tätigkeit einem Fitness-Workout gleiche, nur eben an ungewöhnlichen Fitnessgeräten. Sie sollten umdenken und ihren Job als eine sportliche Aktivität betrachten. Der zweiten Gruppe wurde diese neue Definition ihrer täglichen Arbeit nicht vorgetragen. Vier Wochen später stellte sich heraus, dass die Teilnehmerinnen aus der ersten Gruppe tatsächlich abgenommen hatten und sich fitter fühlten. Bei den anderen Frauen jedoch hatte keine Veränderung stattgefunden.

Diese schöne Studie unterstreicht letztlich meinen Punkt: Unser Denken, unsere Einstellung hat viel mehr Einfluss auf unseren Alltag, als wir annehmen.

Ich habe mich daher letztens entschieden, einfach mal wieder glücklich zu sein.

Statt immer nur nach dem großen Glück des Lebens zu streben, einfach wieder an der Basis positiv zu sein. Das funktioniert tatsächlich, zumindest im meinem bescheidenen Fall, erstaunlich gut.

Ich nehme bewusster die positiven Dinge im Alltag auf und schätze vor allem die kleine, feinen Dinge. Letztens habe ich zum Beispiel ein neues Lieblingslied entdeckt- das ist doch de facto wie einen Schatz zu finden, oder?!? Ein großartiger kleiner Glücksmoment.

Sich selbst einfach mal ein Lächeln auf das Gesicht zu setzen und sich mit diesem Lächeln in der Außenwelt blicken zu lassen, wirkt ebenfalls Wunder. Und das Schönste daran? Es ist ansteckend! Wenn ich mit diesem Lächeln mit meine Lotta-aus-der-Krachmacherstraßen-Fahrrad durch Hamburg's Straßen düse, bemerke ich, dass die Leute zurück lächeln. Man grüßt Fremde mit einem freundlichen Nicken und schon fühlt man sich ein wenig besser.

Cogito, ergo sum. Ich denke, also bin ich, sagte schon Descartes. Besser wäre noch: Ich denke positiv, denn das werde ich. Sich anzutrainieren, eine optimistische Sicht der Dinge anzunehmen, erleichtert das Leben ungemein. Ich stelle auf der Straße fest, dass ich oben in der Wohnung etwas vergessen habe? Wie gut, schon etwas Frühsport am Morgen! Mir ist ein fünf Euro-Schein aus der Hosentasche rerutscht? Ist verschmerzbar, man stelle sich einfach die ungleiche Freude des Finders vor! Auf dem Weg zur Arbeit von einem Regenschauer überrascht worden? Endlich mal der Ansporn, sich vernünftige Regenklamotten anzuschaffen... Undsoweiter, undsofort....

 

PS. Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich ist unser Leben nicht nur Ponyhof. Wir werden immer wieder mit herben Rückschlägen, Verlusten und Problemen konfrontiert. Manchmal ist es wichtig und gut, sich so richtig schön zu ärgern oder traurig zu sein. Es gibt mir aber darum, in mir, in meiner Substanz mit Sonnenstrahlen ausgestattet zu sein, die mich diese „Das Leben ist schön“ Mentalität ausstrahlen lassen.

"Now and then it's good to pause in our pursuit of happiness and just be happy." sagte ein gewissen Guillaume Apollinaire einmal. Recht hat er. Das müsste an jedem Kühlschrank hängen.

Oder gibt es noch einen präsenteren Platz im Haus? Die Klotür? Okay, dann da.

 

Meike Neitz

Dieser Artikel erschien in der Edition F unter dem Titel: "Wie ich mich entschieden habe, glücklich zu sein"


 

 

 

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