Dies & Das

Über den Traum seine Träume zu verwirklichen – Gymnastica Hamburg

Dies & Das

Lea Eggers hat sich mit der "Gymnastica Hamburg" einen Traum erfüllt. Den einer eigenen Tanzschule. Doch abseits der glamourösen Startup-Welt ist der Existenzkampf hart. Die Tänzerin boxte sich durch. Sie tanzte.

Das Leben ist ein leerer Rahmen der unbegrenzten Möglichkeiten – den wir auf unterschiedlichste Art und Weise füllen. Beruflich bestenfalls natürlich mit dem, was uns jeden Tag Freude bereitet, worin wir besonders talentiert sind, was unsere Träume ausmacht. Lea Eggers wusste schon seit sie ein kleines Mädchen war, dass es bei ihr die Tanzerei sein würde. Ihre Eltern dachten damals vielleicht noch, dies sei ein vorüberziehender Kinderberufswunsch. Wie eine Jugendliebe, die sich irgendwann als zwar leidenschaftliche, aber doch temporäre Verliebtheit darstellt und dann ebenso schnell wie sie gekommen ist, sich auch wieder verflüchtigt. Doch der Tanztraum, er blieb.

Ich kenne Lea seit der ersten Klasse- sie war es, die mich zur Rhythmischen Sportgymnastik brachte. Wir kleinen Tänzerinnen waren damals schon hart im Nehmen. Wir trainierten dreimal die Woche drei Stunden lang – vor Wettkämpfen jeden Tag. Unsere Trainerin schrieb jeden Fehler in ihr kleines Geheimbüchlein auf. Sie „drückte“ uns in den Spagat und später in den Überspagat. „Wie Kinderkriegen“ fühle sich das an, erzählte sie uns, als würde uns dies beruhigenden. Unsere Eltern nannten die Trainerin den „Drachen“ und hofften inständig, wir würden mit dem Leistungssport aufhören. Doch wir liebten es, wir blieben – der Spaß am Tanzen überwog. Ich hörte als Deutsche Vizemeisterin auf- Lea machte weiter und wurde Deutsche Meisterin. Das war 1997 – wir waren dreizehn Jahre alt.

Eisern verfolgte sie ihren Traum. Tanzte, tanzte, tanzte. Bestimmt hätten es ihre Eltern gern gesehen, wenn sie nach dem Abitur ein „richtiges“ Studium gemacht hätte. Doch was ist schon „richtig“, wenn es nicht richtig für einen selbst ist? Was bedeutet denn eigentlich dieser komische Ausdruck „brotlose Kunst“ den Musikern, Schauspielern, Malern gern angetragen wird? Selbst wenn die Kunst nur für den Künstler selbst sinnstiftend ist, hat sie doch schon ihr Ziel erreicht: Brot hin oder her. Wie leer, wie farblos wäre doch unsere Welt, gäbe es nur praktische, funktionelle, Großgeldverdienerjobs....

Lea studierte also Tanz- modern und klassisch, machte zudem eine Ausbildung zur Ausbilderin – mehr geht nicht. Sie wollte nicht nur selbst mit den Beinen und ihrem ganzen Körper Kunst machen. Nein, sie wollte es auch anderen Mädels beibringen. Jedoch bloss nicht wie wir trainiert wurden. Mit mehr Herz und eben- mit der ganzen Leidenschaft, mit der sie selbst immer noch tanzt.

Der Tanz an sich ist doch, wenn man für eine Sekunde mal darüber nachdenkt, eine wundersame, aber so wundervolle Sache: Wie er die Menschen dazu bringt, sich auf die unterschiedlichste, frei erfundene Art und Weise zu Musik zu bewegen. Die Tanzerei schafft es, gänzlich zu befreien. Eitelkeiten werden ausgeblendet, man tanzt wie man sich fühlt und alle Bewegungen, egal wie expressionistisch, egal wie wild, sind erlaubt, ja sogar erwünscht. Körper und Geist werden so in eine neue Sphäre gehoben; der Tanz füllt jeden Raum, erhellt und erweitert ihn sogar. Tanzen ist Träumen mit den Beinen, lautet der klassische Postkartenspruch. Genau daher ist er so ungemein wichtig.

Während ich und die anderen Mädels von früher also die Unibank drückten, tanzte Lea. Sie tanzte. Schon immer habe ich ihre Zähheit bewundert. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss war sie die erste, die den Weg in die Selbstständigkeit suchte und umsetzte. Heute reden wir alle von allen möglichen Digital Startups, die sich in der Online-Gründerwelt tummeln. Kaum jedoch geht es um die, die noch einen gänzlich „offline“ Berufsweg einschlagen. Die höchst erfolgreichen Kleinunternehmerinnen, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Eine Leidenschaft, die eben nicht in einer Cloud stattfindet, sondern auf so etwas geerdetem wie einem echten Tanzboden.

Lea's Startup, die Tanzschule „Gymnastica Hamburg“ die sie mit einer Freundin gründete, war von Anfang an ein harter Kampf. Es gab kaum Finanzierungsmöglichkeiten, wenig freie Räume in Hamburg (und diese wenn dann teuer), es gab allgemein wenig Unterstützung oder Aufmerksamkeit. Keine Plattformen, auf der man sich präsentieren, ein wenig sonnen und bekannt machen konnte - wie heute dies gern die Digitalszene tut.

Doch die Jungunternehmerinnen bissen sich durch, Tag für Tag, Woche um Woche. Wie schwer es ist, die ersten Mädels zu rekrutieren, Kurse aufzubauen und nachhaltig am Laufen zu lassen, lernten sie zuerst. Doch sie gaben nicht auf, wuchsen langsam. Bauten nach und nach den wohl süßesten Kundenstamm der Stadt auf: Kleine Mini-Ballerinas ab 4 Jahren, die mit Begeisterung durch das Studio hopsen, aber auch ältere Mädels (und Jungs!) die sich für Akrobatik, Rhythmische Sportgymnastik oder Zirkusturnen interessieren. Heute hat die Tanzschule 200 Mitglieder – es reicht zwar immer nur noch für einen besseren Hungerlohn, aber immerhin können sich Lea und ihre Geschäftspartnerin jetzt überhaupt ein Gehalt auszahlen. Dafür trainieren sie jeden Tag – am Wochenende sind sie mit ihrer Showgruppe für Auftritte unterwegs. Auf Hamburger Sportfesten, auf Stadtfesten, auf Tanzfestivals – und derzeit sogar im neuen Ferrero-Werbespot.

Gute Arbeit zahlt sich aus. Der Traum von der Tanzschule wird getanzt. Und doch möchte ich mit diesem Artikel zeigen, dass sich doch immer ein Blick hinter die Kulissen lohnt um nachzuvollziehen, wie viel es Bedarf, besonders in den Kreativzonen des Berufslebens, eben diesen Traum zu leben. Lea ist ein tolles Beispiel, beste Inspiration und Motivation es selbst anzupacken.

>> Mehr Informationen über die Tanzschule Gymnastica Hamburg, alle Kurse und Auftritte gibt es unter: www.gymnastica-hamburg.de

zurück zur Übersicht

mit freunden Teilen:

Verwandte Themen: