Dies & Das

Weltschlaftag: Interview mit Fabian Foelsch, Gründer des Startups BRAINEFFECT. Schlafspezialist.

Dies & Das

Fabian Foelsch war früher Leistungssportler und hatte immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Bei seiner Recherche über die Ursachen stieß er auf eine Studie von der Harvard University, die ergeben hatte, dass schlechter und zu wenig Schlaf in Korrelation zu einem erhöhten Verletzungsrisiko steht. Er fing daraufhin an, sich mit dem Thema "Schlafhacking" und "Biohacking" auseinander zu setzen. Vor zwei Jahren gründete Fabian gemeinsam mit Schober Ventures aus Berlin das Startup BRAINEFFECT, das so genanntes "Performance Food" zur besseren Leistungsfähigkeit, aber auch für besseren Schlaf herstellt. In unserem Interview anlässlich des Weltschlaftags am 17.03.2017 dreht sich alles um das Thema richtig gut schlafen!

1) Arianna Huffington hat durch die Veröffentlichung ihres Buchs „Die Schlaf-Revolution“ einen neuen Schlaftrend ausgelöst. Warum ist guter Schlaf überhaupt so wichtig und wieso wurde das Thema so lange vernachlässigt?

Foelsch: Der Schlaf hat leider ein erhebliches PR-Problem und ist immer noch nicht „sexy“. Die Menschen brüskieren sich gerne damit, mit wie wenig Schlaf sie auskommen: Angela Merkel hat einmal gesagt, sie habe "Kamelartige" Fähigkeiten, wenn es ums Schlafen geht: Über Tage hinweg könne sie ohne viel Schlaf auskommen, diesen quasi wie Kamele das Wasser speichern. Das ist natürlich völliger Quatsch! Aber der Erfolg oder Status wird oftmals gemessen an den Stunden wie wenig eine Person schläft. Erst in den letzten Jahren, auch mit Hilfe der Schlaf-Kampagne von Arianna Huffington, hat langsam ein Umdenken stattgefunden. Dies ist ungemein wichtig und gut für unsere Gesellschaft, da Schlafen ein aktiver Regenerationsprozess des Körpers, aber auch des Gehirns ist. Sowohl mentale- als auch sportliche Leistungsfähigkeit werden maßgeblich vom Schlaf bestimmt. So gibt es umfassende Studien der Weltgesundheitsorganisation, dass das Risiko bestimmte Krankheiten zu erleiden, oder zum Beispiel einen Schlaganfall zu bekommen, sehr viel höher sind wenn man zu wenig schläft.

 

2) Wieviel Schlaf sollte man im Schnitt bekommen?

Foelsch: Grundsätzlich gilt, dass man ca 6 – 8,5 Stunden Schlaf benötigt um gut erholt zu sein. Jedoch ist neben der Stundenzahl vor allem die Qualität des Schlafens wichtig: Der Anteil der Tiefschlafphasen und der REM-Phasen bestimmen die erholende Wirkung des Schlafes. Daher kommt es auch, dass man sich manchmal unglaublich kaputt fühlt, obwohl man lange geschlafen hat. Es ist wichtig, auf die Schlafqualität zu achten.

 

3) Warum haben viele Menschen Probleme, gut zu schlafen?

Foelsch: Oft hat dies mit unserem Lebensstil beziehungsweise der Arbeit zu tun: Oftmals ist der Lifestyle konträr zum natürlichen und optimalen Schlaf-Wach-Rhythmus. Schichtdienste, Jetlag, Bürotage die zu früh anfangen und zu spät enden. Das Schlafhormon Melatonin sorgt eigentlich dafür, dass wie perfekte Schlafbedigungen bekommen. Allerdings wird bei uns heutzutage die natürliche Produktion zum Beispiel durch starken Stress auf der Arbeit, durch Sport am Abend, durch zu laute Geräuschpegel oder künstlichen Lichteinfall am Abend gehemmt. Alle diese Faktoren sorgen dafür, dass die Melatonin-Ausstoß reduziert ist und wir dadurch schlechter schlafen.

 

4.) Was für Tipps und Tricks empfiehlst du, um den Schlaf zu optimieren?

Foelsch: Hier gibt es eine Reihe von Empfehlungen, die man einfach und wirkungsvoll umsetzen kann:

- Möglichst früh ins Bett gehen

Mit dem Schlafen ist es wie mit den Aktien: Es kommt darauf an, zu welchem Zeitpunkt man investiert. Zwischen 22 und 24 Uhr ist die „Money-Time“, das heißt der Anteil der Tiefschlafphasen REM) ist am höchsten. Deshalb ist es gesünder, sich, vor Mitternach schlafen zu legen. Auch wenn es für viele Menschen schwer vorstellbar klingt: Um 22 Uhr ins Bett zu gehen, ist für Körper und Geist ideal!  

- Kein Sport nach 18 Uhr 

Eine Studie der University of Boone, North Carolina hat untersucht, wie sich der Trainingszeitpunkt auf die Qualität des Schlafs auswirkt. Sie zeigt, dass durch die Anstrengungen bei Sport der Ausstoß von dem Stresshormon Cortisol angeregt wird. Als Gegenspieler von Melatonin macht einen diesen sehr wach und führt oft dazu, dass man nicht einschlafen kann oder nicht gut schläft.

- Möglichst in sehr dunkler und ruhiger Umgebungen schlafen

Studien zeigen, dass jeder Lärm und jede Lichtquelle den Schlaf negativ beeinflussen kann. Deshalb kleben viele Sportler bei den Olympischen Spielen oder anderen wichtigen Wettkämpfen Alufolie in die Fenster, um diese zu 100% abzudunkeln.

- Früh abschalten

Stress ist das Hauptproblem von Schlaflosigkeit. Deshalb hilft es abends zum Beispiel zu meditieren, ruhige, entspannende andere Musik zu hören, ein Buch zu lesen oder andere Rituale zu finden, um den Stresspegel des Tages zu reduzieren.

- Gute Ernährung

Wer eine sehr stressigen Tag hatte, insgesamt viel Druck auf der Arbeit oder Probleme, die im Kopf herumkreisen und einen nachts nicht schlafen lassen, oder wer generell herausfordernde Schlafbedingen ausgesetzt ist ( z.B. Schichtarbeiter oder Businessreisende), dem würde ich die Ernährung von melatoninreichen Produkten (wie zum Beispiel Pistazien) oder Ergänzungsmitteln empfehlen.

 

5) Was sollte unbedingt vermieden werden, bevor man zu Bett geht?

Foelsch: Wissenschaftler empfehlen unbedingt, sich ab 90 Minuten vor dem Einschlafen keinem blauen Licht (Fernseher, Computer) auszusetzen. Dieses stimuliert die Produktion von Tageshormen wie Cortisol und Serotonin und reduziert die Ausschüttung vom Schlafhormon Melatonin. Eine spannende Studie des Bostoner Krankenhauses hat gezeigt, dass die abendliche Nutzung von einem ipad zu längeren Einschlafzeiten und kurzen REM-Phasen führt.

Ein Tipp für diejenigen, die doch abends noch arbeiten müssen: Es gibt Apps wie zum Beispiel f.Lux, welche den Blaulichtanteil im Bildschirm beim PC/Laptop reduzieren. Auch neue iPhones unterstützen diese Funktionen.

 

6) In der Startup-Welt sind gerade Matratzen ein großes Thema und mischen den Markt auf: Was für eine Rolle spielt eine gute Matratze und auf was für einer schläfst du?

Foelsch Die Matratze ist ein wichtiger Punkt für guten Schlaf – denn letztlich bestimmt natürlich auch der Komfort den guten Schlaf. Matratzen sollten eine gute „Lüftungsfunktion“ haben, bequem sein und den Rücken schonen. Der Grad der Festigkeit ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt auch mit der individuellen Physis oder zum Beispiel Rückenproblemen zusammen: Manche bevorzugen sehr harte Matratzen, manche mögen es eher ein wenig weicher Ich schlafe persönlich auf einer Matratze des US-Start-Ups Casper und bin damit sehr zufrieden.

 

Wer Interesse hat, mehr zu erfahren: Alle Infos zu BRAINEFFECT, sowie den Themen Bio- und Schlafhacking gibt es hier

Das Gespräch führte: Meike Neitz

 

 

zurück zur Übersicht

mit freunden Teilen:

Verwandte Themen: