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China: Wenn 1,3 Milliarden zu wenig ist

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Diese Zahlen sind unglaublich: Am vergangenen Wochenende hat die chinesische Gesundheits- und Familienplanungs-Kommission (kein Witz!) bekannt gegeben, dass das Land seit Beginn des Jahres 2016 sage und schreibe 18.5 Millionen Geburten zu verzeichnen hatte. Millionen! Zum Vergleich: In Deutschland wurde 2015 ein kleiner Baby-Boom zelebriert: Es wurden 723 000 Babies geboren... Warum hat China trotzdem ein großes demographisches Problem?

Was diese Zahl so brisant macht ist gar nicht unbedingt die Höhe, sondern dass die chinesische Regierung dies überhaupt erlaubt hat. Seit in den 1970er Jahren die 1-Kind Politik eingeführt wurde, war es Familien strengstens untersagt, mehr als ein Kind zu bekommen. Damit wollte China, das mit 1,3 Milliarden Einwohnern bevölkerungsstärkste Land der Welt, seine damals zu schnell wachsende Bevölkerungszahl in Grenzen halten. Mit unvorhergesehenen Folgen...

Im letzten Jahr nun hob China endlich die Restriktion auf, um sich den schwierigen gesellschaftlichen und sozialen Problemen, die daraus erwachen sind, zu stellen. Denn China hat nun zu viele, zu alte Menschen und zu wenig Nachwuchs. Bis 2050, das haben Studien von Demografen ergeben, wird es im Reich der Mitta circa 349 Millionen Menschen über 65 Jahren geben. Aufgrund der reduzierten Geburtenrate in den letzten knapp vierzig Jahren, wird dies zu einer erheblichen Arbeiterengpass führen, sowie für viel Druck auf das Renten- und Sozialsystem sorgen. Das Problem kennen wir, die Dimension hier ist nur schwer vorstellbar.

Daher also im letzten Jahr der Baby-Umschwung.

Die Regierung hofft dadurch ebenfalls, das große Geschlechter-Ungleichgewicht mindern zu können: Während normal ein Verhältnis von 105 Jungen zu 100 Mädchen wäre, kommen derzeit kommen auf 117,7 Jungen nur 100 Mädchen. Warum? Letztere wurden in der 1-Kind Zeit wesentlich häufiger abgetrieben. Wenn man sich schon entscheiden musste, war in der Familie eher ein männlicher Nachfahre erwünscht. Heute haben diese jungen Prinzen allerdings große Schwierigkeiten, eine Prinzessin zu finden – Schätzungen gehen davon aus, dass es 2020 allein 24 Millionen Single-Männer in China geben wird. Kein Wunder also, dass es da gestattet ist, wenn man sich schon einmal gesucht und gefunden hat, mehr als einen einsamen Nachfolger zu produzieren.

Die große Frage ist nur: Wird es funktionieren? Aktuelle Auswertungen des Fortune Magazins gehen davon aus, dass die Geburtenrate nur unwesentlich steigen wird. Gerade bei gebildeten Frauen in guten Positionen haben sich die Prioritäten verschoben. Es geht nicht darum, möglichst schnell einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen, sondern möglichst lange die Freiheit zu genießen und seine eigene Karriere zu fördern.

China wird sich zeitnah etwas einfallen müssen, um das ohnehin erheblich verlangsamte Wirtschaftswachstum nicht noch weiter zu schwächen. Der rote Drachen in Fernost- seine Zukunft ist ungewiss....

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