Internationales

Chinas Sharing Economy: Fahrräder ja- Autos nein.

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Während ich im Mobility Mag über die blühende Branche der chinesischen Fahrradverleiher, allen voran Ofo und Mobike berichtete, möchte ich mich heute der Automobilbranche widmen. Das Konzept von Zipcar, Car2Go oder DriveNow und dergleichen ist bei uns in Deutschland, aber auch in anderen Ländern wie Italien, Frankreich oder England ein Erfolg – folglich sollte man meinen, dass es auch in China funktionieren sollte. Doch dem ist nicht der Fall:

Gerade diesen Monat musste einer der größten chinesischen Anbieter, UU Cars, aufgeben – der CEO gab die Insolvenz bekannt, alle Nutzer bekommen jedoch noch ihren Deposit zurück. Hinter UU-Cars steckt das Unternehmen Beijing Youyou Lianchuang Information – es wurde 2013 gegründet und hat seitdem Investitionen über 20 Millionen Dollar von Investoren wie Yiche, Lightspeed China Partners, oder China Renaissance K2 Ventures eingesammelt. Gerade im vergangenen Jahr hatte eine neue Finanzierungsrunde über 16 Millionen U$ zugesagt bekommen. Da diese jedoch nicht wie geplant umgesetzt, beziehungsweise ausgezahlt wurde und der Cash Flow des Unternehmens nicht zum Überleben nicht reichte, kam nun das Ende. Obwohl Analysten das Carsharing generell nach wie vor als zukunftsträchtig erachten, sind alle Anbieter noch weit entfernt von einem Breakeven. UU-Cars hatte zu Hochzeiten 300 Autos auf dem Straßen – doch die meisten waren von anderen Autovermietern geleast. So fraßen die Mietkosten das Unternehmen langsam auf: Jedes Auto, so schätzen Experten von PriceWaterHouseCooper, hat jeden Tag zwischen 50 und 120 Yuan (umgerechnet ca 14 Euro) verloren.

Trotzdem glauben Experten daran, dass Carsharing bis 2020 boomen wird – mit bis zum 170.000 Autos auf den Straßen. Doch der Markt wird wohl vorher eine Konsolidierung sehen: Derzeit sind noch 350 (!) Firmen in dem Bereich aktiv – wahrscheinlich ist, dass nach einer Reihe von Übernahmen, sowie nicht abzuwendenen Insolvenzen der kleineren Anbieter, nur noch 3 -4 dominierende Spieler übrig bleiben werden. Man kann zudem davon ausgehen, dass es Unternehmen sind, die entweder vom chinesischen Staat, oder von großen Automobilherstellern unterstützt werden. Jetzt schon sind diese an der Spitze des Rennens: Das staatliche Unternehmen Beijing Shouqio Group, gründete 2015 Gofun, hat eine Expansion in 20 Städte mit mehr als 15.000 Autos bis Ende 2017 bekannt gegeben. Derzeit hat es eine Flotte von 1100 Autos und ist allein in Peking aktiv. Chinese Lifan Motors hat 1400 Autos auf den Straßen, davon immerhin 1100 Elektroautos. Interessanter weise machen E-Autos insgesamt 95% des Carsharing Markts aus.

So langsam ziehen auch deutsche Autohersteller nach: Daimler hat April 2016 in der Stadt Chongqing sein Car2Go gelauncht und bis dato immerhin eine Userbase von 130.000 aufgebaut. BMW's DriveNow hat derzeit in China ein Pilotprojekt am Laufen. Audi testet „Audi at home“ mit ausgewählten Hongkonger Luxus-Residenzen. Die Großen – sie sehen das Carsharing als wichtigen Pfeiler der Strategie: Jedoch eher im Bereich lokales Branding und Marketing, als ein Konzept, mit dem man Geld verdienen kann....

 

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