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Hashtag: Trauer

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Eigentlich wären heute im Blog meine Weihnachtsgrüße dran gewesen. Ich wollte mich gestern Abend daran setzen, allen Weihnachtsgestressten einen guten Endspurt wünschen und mich so langsam aus dem Hashtagalarm des Jahres zurückziehen. Rein in die Auszeit vom Alltag; rein in das wohlverdiente Offline. Statt dessen drehten abends die Social Media Kanäle durch.  

Hashtag: Trauer

Wie viel zu oft in diesem Jahr.  Ich verfolge die Nachrichten, die über Twitter hereinbrechen wie heftige Regenschauer. Hashtag Berlin, hashtag Pray for Berlin, Hashtag Anschlag? Hashtag Terror

Hashtag Opfer

Selbst die größten Verfechter der Meinungs- und Pressefreiheit wünschen sich eine gemäßtigere bis keine Berichterstattung. Alles hetzt, alles mutmaßt zu schnell, alles diskutiert ohne Hintergrundwissen.

Hashtag Panikmache, Hashtag Spekulation.

Ich beschließe, ins Bett zu gehen. Ich schreibe auf Twitter: Schlafengehen. Morgen sieht die Welt zwar nicht besser aus, aber immerhin kann man sich ein klare(re)s Bild machen. Hashtag Ruhe

 

Es ist also kein freundlicher Vorweihnachtsmorgen, sondern ein Morgen danach. Ein Morgen nach der Dunkelheit, an dem es morgens noch extrem dunkel ist.

Über die Hintergründe der Todesfahrt von Berlin werden sich Experten und Journalisten in den kommenden Wochen noch streiten. Politiker werden sie analysieren, die Machtlosigkeit überspielen, Angehörige werden trauern und wir, ja wir werden Anteilnahme leisten und aufrufen zu weniger Hass und mehr Menschlichkeit.

 

Was war das bloß für ein Jahr: Lauter Hashtags gegen den Wahnsinn:

 

#nizza

#brexit

#fluechtlinge

#trump

#bruessel

#istanbul

#ansbach

#wuerzburg

#aleppo

#ankara

 

Die Liste der Trauer, der Verständnislosigkeit, der Angst geht leider weiter ….

Reingezogen in den Strudel des Zwitscherns und Snapchattens der sich überschlagenden traurigen Meldungen aus der ganzen Welt, dürfen wir nur eins nicht vergessen:

Hashtags machen diese kranke Welt nicht gesund, Tweets ernähren keine Kinder, Follower füllen keine leeren Kassen.

Es ist der zwischenmenschliche Dialog allein, der heilen kann. Es sind von Menschen ausgeführte Maßnahmen zum besseren Verständnis zwischen den Kulturen und den Religionen; es sind Aktionen zur Bekämpfung der Ungerechtigkeit und des Hasses.

Mehr Menschlichkeit.

Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer. Die Fragen sind, was diese Welt so krank gemacht hat und wie wir so etwas wie Berlin, aber eben auch Nizza, Brüssel, Ansbach, Istanbul verhindern können. Das sind unsere wichtigsten Vorsätze für 2017  - gehen wir es an.

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