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Meike Neitz: Wie ich einmal Bill Clinton traf

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Es lässt sich ja vielerorts in den Metropolen und Hauptstädten dieser Welt eine gewisse, ich nenne es einmal vorsichtig „urbane Arroganz“ konstatieren. So erlebt zum Beispiel, als ich vor nun schon mehreren Jahren meine Freunde in New York besuchte....

Ich hatte den Sommer über viel Zeit und liebte die Stadt. Ich hatte also ein paar Wochen für den Big Apple, ein bisschen Hamptons und ein paar Städtetrips umzu (Philly, Washington D.C.) eingeplant. Als ich mich jedoch spontan entschied, alte Bekannte im Norden der USA zu besuchen, stieß ich auf Fragezeichen-behaftete, wenn nicht gänzlich fassungslose Gesichter der New Yorker:

„You are going to CLEVELAND - OHIO?????! WHYYYYYY would anyone VOLUNTEERLY go there?       What could possibly BE in Cleveland that would make a trip worthwile? (And that you don't find here in the most beautiful-awesome city in the whole wide world?)“

Das waren die ersten Kommentare zum Thema Cleveland. Noch weitere folgten im Laufe der Konversation, so wie: „You are going by GREYHOUND bus?????!“ WHYYYYYY would anyone VOLUNTEERLY do that?   You are going to get yourself killed out there- they are even worse than the Chinese Fung-Wah Buses from Boston to New York“. (….)

Anyways, ich bin natürlich trotzdem gefahren und kam heil in eben diesem Cleveland, Ohio an. Früher eine prosperierende Industriestadt, heute leider durch hohe Arbeitslosenquoten und Perspektivlosigkeit geprägt. Meine Clevelander Bekannten, die ich ein paar Jahre zuvor auf der World Model United Nations kennen gelernt hatte, waren jedoch weder perspektiv- noch hoffnungslos, noch weltfern. Sie waren interessant, wissend, aktiv und die absoluten Stars in Gastfreundlichkeit. Von der obligatorischen Stadtbesichtigung, zu Jazz Club-Abenden, bis zu einem Trip zu den Niagara-Fällen- es war alles drin. Zudem waren sie durch ihr Engagement bei den Young Democrats sehr gut vernetzt und ließen mich ein paar Tage im Rathaus der Stadt hospitieren. Da seit meines Studiums u.A. am Boston College die Politik zu meinen Lieblingsthemen gehörte, war dies eine interessant Erfahrung.

Die beste sollte jedoch als krönender Abschluss meines Ausflugs in die hintersten Ecken der Vereinigten Staaten noch kommen: Ich war ausgerechnet zu Zeiten des Senatoren-Wahlkampfes dort. Und wer kündigte sich auf Seiten der Demokraten für ein Fundraising an? Niemand geringeres als Bill Clinton! Und wer machte es möglich, dass ich zweimal an einem Abend die Ehre hatte, den ehemaligen Präsidenten zu treffen? Genau- meine Freunde von den Young Democrats. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass dies in einer Stadt wie New York niemals möglich gewesen wäre. Statt der normalerweise dafür üblichen >10.000$ Spende, bekam ich das Treffen mit Bill Clinton umsonst. Mit dem Foto im Handgepäck und um viele Eindrücke und ein Gespräch mit einem Mann, der Weltgeschichte geschrieben hat später, tuckerte ich in meinem Greyhound-Bus zurück nach NYC...

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