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Nicht den Fehler der US-Demokraten machen - warum die Wahl von Martin Schulz ein guter Schachzug war!

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Ein Kommentar von Meike Neitz

 

Es ist schön zu sehen, wie eine vor nur ein paar Wochen noch sehr müde erscheinende Volkspartei wie die SPD plötzlich zu neuem Leben erwacht. Plötzlich scheint sie voller neuer Energie und Hoffnung in den Wahlkampf zu ziehen. Warum? Durch die Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten und Parteichef. Es scheint ein aus guten alten Obama-Zeiten bekanntes „Yes we can“ durch das Willy-Brandt Haus zu wehen.... Wo ich auch schon gleich beim Thema wäre: Dies war einer der klügsten und uneigennützigsten Schritte von Ex-Parteichef Sigmar Gabriel – wie man sie selten in der Politik beobachtet, aber sehr gerne viel öfter sehen würde. Während die Demokratie in den USA unter dem Einfluss, der Unberechenbarkeit und der schieren Ignoranz von Präsident Donald Trump ächztund stöhnt, da ist Gabriel intelligent genug, um nicht den gleichen Fehler zu machen wie die US-Demokraten bei der Nominierung ihrer Präsidentschaftskandidatin. Sie entschieden politisch korrekt über demokratisch; sie entschieden für eine scheinbar perfekte Kandidatin- aber eben nur in den Augen der führenden Politlenker, nicht der Basis. Die Wahl von Hillary Clinton war eine Auszeichnung für ihre jahrelange, harte Arbeit- für jahrzehntelanges geduldiges manövrieren im politischen Zirkus. Doch es wurde verkannt, dass genau dies die größte Antipathien und Skepsis bei den Wählern hervorrief. Clinton wurde als elitäre, kaufbare, machthungrige und nicht volksnahe Politikerin empfunden- viele Wähler wählten Trump als reinen Protest um nicht "the establishment" und damit Clinton. Eine mutigere, mit höchster Wahrscheinlichkeit von Erfolg gekrönter Schritte wäre es gewesen, Bernie Sanders zu pushen, oder aber einen beliebten Politiker wie Joe Biden zur Kandidatur zu ermutigen. Beide hätten Trump verhindern können.

 

Nun ist Angela Merkel nicht Donald Trump und vier weitere Jahre mit ihr wären durchaus erträglich und nicht der Zusammenbruch der Demokratie und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dieses Landes. Aber auch der Aufstieg der AfD in Deutschland hat gezeigt, dass populistische, rechte Parteien eben erschreckenderweise nicht nur am rechten Rand der Bevölkerung ihre Stimmen rekrutieren, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft. Und auch Mitte-links.

Sigmar Gabriel hat erkannt, dass er nie eine solche Begeisterung hätte entfachen können, wie Schulz' Kandidatur nun erfährt  – und stellte den Nutzen der Partei höher als seine eigenen Machtansprüche. Insofern ist es richtig, es mit einem erfrischenden Kandidaten wie Martin Schulz zu versuchen. Dieser weiß wie er begeistern kann. Er weiß wie kein anderer (und auch dank seiner ungewöhnlichen Geschichte) authentisch zu vermitteln, dass er „einer von uns" ist. Und keine realitätsfremde Elite, welche die Sorgen und Ängste der Bürger nicht kennt. Vielleicht ist er auch genau der richtige, WEIL er innenpolitisch ein unbeschriebenes Blatt ist. Weil er in den letzten Jahren Europapolitik gemacht hat und das „große Ganze“ besser sieht als nur in 4-Jahres Wahlperioden und -zyklen zu denken.

 

Man darf gespannt sein, wie er sich im Wahlkampf und gegen Angela Merkel schlägt, aber Sigmar Gabriel gilt für diesen Schachzug der Hut gezogen. Chapeau!

 

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