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Seoul to Seoul – ein Reisegeheimtipp: Die Hauptstadt Südkoreas!

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Viel, das musste ich feststellen, assoziierte ich nicht mit dem Halbinselstaat östlich des chinesischen Festlandes, bevor ich meine Reise antrat: Samsung kam mir in den Sinn, der Koreakrieg, das Poplied Gangnam Style. Und hatte dort nicht einmal eine Fußball-Weltmeisterschaft statt gefunden? Ob das nun fünf oder fünfzehn Jahre her war – noch nicht einmal das vermochte ich zu sagen. Insofern war es wie ein unbeschriebenes Blatt, dieses Land, in das ich nun reiste. Mein 80. Land. Damit würde ich fast alle asiatischen Länder komplett haben. Ich war mehr als gespannt, was mich erwartet. Mit welchen Eindrücken ich es nach einer Woche verlassen würde. Wie viel mehr ich über Südkorea wissen – und wie viele Gesichter, Geschichten, Erinnerungen ich mitnehmen würde.

 

Ich laufe durch die Straßen Seouls. Sie stauben vor Emsigkeit. Mehr als zwanzig Millionen Menschen –knapp die Hälfte der gesamten Bevölkerung Südkoreas- fasst die riesige Metropolregion. Einem Ameisenhaufen gleicht sie. Geschäftig, tüchtig, gut organisiert. Dies gilt nicht nur für die Stadt -  sondern auch die Menschen, die in ihr leben. Die Koreaner scheinen diszipliniert in allem, was sie tun: Egal ob tagsüber bei der Arbeit, oder nachts beim Party machen. Von Anfang an bin ich fasziniert.

Zugegeben: Alles ist subjektiv. Natürlich hängen diese Eindrücke auch immer damit zusammen, woher man gerade kommt: Nach vier Wochen in Shanghai war Seoul: Unkompliziert. Sauber und so angenehm geordnet. Besuchern macht es die Stadt sehr einfach: Sie ist wunderbar intuitiv- und genau an den richtigen Stellen ausgeschildert. Und dann auch noch in einer bekannten Fremdsprache!

Danke, Korea.

Nicht einmal habe ich mich verlaufen oder verfahren. Die Koreaner (sorry an dieser Stelle!) sind höflicher als die Chinesen. Sie fragen einem, ob sie helfen können. Sie gehen aus dem Weg. Sie wuseln zwar durch die Stadt, doch haben sie eine besondere Art, sich irgendwie leichter, eleganter durch das Betondickicht zu bewegen.

Es gibt viel Kultur in Seoul, die sich lohnt, zu erkunden. Die wunderschönen Paläste der Joseon-Dynastie aus dem 14. Jahrhundert – am schönsten, wenn in ihren Gärten die Kirschblüten blühen. In Bukchon Hanuk, dem ältesten Stadtteil der Stadt, bekommt man Einblicke in die lange Historie der Stadt. Und darf die südkoreanischen Pärchen, Freundinnencliquen oder ganze Familien dabei beobachten, wie sie sich altertümlich verkleiden und durch die Gassen ziehen. Um in jedem schönen Winkel machen sie Fotos, haben sogar extra für diesen besonderen Sonntagsausflug einen Fotografen engagiert, oder schießen Selfies.

In der südkoreanischen Samsung-Welt sind Smartphones allgegenwärtig. Auch das gehört zur Kultur dazu. 

Kunstliebhaber werden in Seoul in tollen Museen beglückt: Die exquisite Sammlung im Leeum Samsung Museum of Modern Art zum Beispiel, ist unbedingt einen Besuch wert. Dazu gibt es unzählig viele Galerien mit zeitgenössischer Kunst und natürlich gestandene Institutionen wie das Seoul Museum of Art. Prachtvolle, beeindruckende Kunst!

Vielleicht, ja vielleicht traut man traut Korea, zu wenig zu.

Die Südkoreaner reisen viel in ihrem eigenen Land umher und sind sehr stolz darauf. Internationale Besucher? Weniger. Nach dem Koreakrieg, abgespalten von seinem damals prosperierenden Norden, begann der ambitionierte Aufstieg des wirtschaftlich schwächeren Nordens. Auch hier: Diszipliniert bis in das letzte Mark. Und so ist Südkorea heute eine der wichtigsten Industrienationen der Welt und Mitglied des G20. Doch man spürt die innere Zerrissenheit des Landes; die offene Wunde im Norden. Hotels und Reiseveranstalter bieten Touren zur DMZ, zur Demilitarisierten Zone zwischen Nordkorea und Südkorea an. Auf der Broschüre steht auf Englisch: „Manchmal werden Sie sogar nordkoreanische Soldaten sehen können!“ Diese scheinen eine Sehenswürdigkeit für sich darzustellen. Aber es sind in all diesen Jahren nicht weniger geworden- kaum Aussicht auf Frieden gibt es vor allem seit dem Amtsantritt von Kim Jong Un. Durch seine ständigen Machtdemonstrationen und militärischem „Show-Off“ haben die Fronten sich weiter erhärtet. Ob diese Pensinsula in absehbarer Zeit vereint sein wird? Die Broschüren wurden in hohen Auflagen gedruckt. Wenig wahrscheinlich.

Wieviel sich noch hinter der Fassaden des koreanischen Perfektionsanspruchs versteckt, wird mir nach einem Stadtbummel durch die Innenstadt, klar. Ich stehe plötzlich inmitten einer riesigen Demonstration tausender Koreaner. Schilder, die Bild von Trump zeigen, mit der Aufschrift SOS: Please save South Korea. Schilder, die Bilder der ehemaligen südkoreanischen Präsidentin Park zeigen. Es sind ihre Befürworter, die für sie auf die Straße gehen und glauben, alles sei ein Machtspiel der Nordkoreaner. Ein paar Tage zuvor wurde sie des Amtes enthoben. Wegen Korruption in höchstem Stil. Gegen den CEO von Samsung, dem in Südkorea die gleiche Präsidialehre gebührt, ist ebenfalls Anklage erhoben. Und schließlich berichtet die Korea Times von der dritten großen Erschütterung der südkoreanische Ehrbahrkeit. Die Lotte-Familie, einer der reichsten und erfolgreichsten Unternehmerfamilien des Landes, muss sich ebenfalls wegen Korruption verantworten. Was ist da los – Südkorea?

So ganz passt das Bild noch nicht zusammen, aber ich denke, das passt es vielleicht nirgendwo. In jedem Fall wünschte ich ab Tag 1 ich würde länger bleiben können. So viel gibt es zu sehen, so viel zu entdecken. Direkt vor den Toren der Stadt öffnet der Bukharan National Nationalpark freundlich seine Arme und lädt ein zu erholsamen Wanderungen in der Natur. Wie gern wäre ich noch weiter aus Seoul herausgepilgert, hätte mich nur noch mit Händen und Füßen verständigt, die traditionellen koreanischen Dörfer oder schönen Strandorte besichtigt, von denen die Einheimischen begeistert erzählen. Doch, wie eine wichtige Reiseregel besagt:

Man muss sich immer mindestens einen Grund zum Wiederkommen offenlassen.

So hieß es diesmal: Das Tagesgeschehen, aber vor allem das Nachtleben in Seoul erleben. Die Nächte in Seoul sind lang: Da die Stadt, darauf sollte ich hinweisen, sehr sehr teuer ist, lohnt es sich, lokal zu essen: Preislich und kulinarisch. Ich gingen in den frühen Abendstunden auf den Namdaemun Markt und ließ mich dort, so einfach wie köstlich bekochen: Das Ganze kostete nur ein paar Koreanische Won. Im Anschluss machte ich mich auf nach Hongdaen, ins Studentenviertel. Hier scheint die Stadt nur aus Jugendlichen zu bestehen, das pralle jugendliche Leben füllt die Straßen.

Mein persönlicher Höhepunkt des Aufenthalts: Salsa tanzen in Seoul. Seoul to Seoul. Wer hätte das gedacht? Dieses kleine Stadtjuwel in Asien verfügt über die talentiertesten Tänzer, die ich seit langem auf einer Tanzfläche erlebt habe. Ich tanzte stundenlang durch, wohl aufgehoben in den Armen der so höflichen, so respektvollen und so fantastisch tanzenden südkoreanischen Salseros. Als gehörte ich schon ewig dazu, nahmen sie mich auf in ihre Tanzgemeinschaft- wenn auch nur für einen Abend.

Am nächsten Morgen, der ebenso schnelle Abschied wie Aufenthalt in einer besonderen Stadt.  Seoul - ich verbeuge mich zutiefst und bedanke mich für die tolle Zeit!

 

Links und Tipps:

 

Gyeongbokgung Palast

Der Palast wurde 1395 gebaut- er ist der größte und beeindruckendste von fünf Palästen der Joseon-Dynastie.

Web: http://www.royalpalace.go.kr/html/eng/main/main.jsp

 

Bukchon Hanok Village

600 Jahre altes, traditionelle Stadtviertel Bukchon mit hübschen, verwinkelten Gässchen und netten Cafes.

Web: http://english.visitseoul.net/attractions/Bukchon-Hanok-Village_/263

Haltestelle: Angkuk

 

Changdeokgung Palace

Der Name „Palast der blühenden Tugend“ wurde etwas später als der Gyeongbokgung Palace, im Jahr 1405 erbaut.  Changdeokgung wurde 1997 in die UNESCO Liste der Weltkulturerbe aufgenommen.

Haltestelle: Angkuk

Web: http://english.visitkorea.or.kr/enu/ATR/SI_EN_3_1_1_1.jsp?cid=264348

 

Leeum, Samsung Museum of Art

Kunst vom Feinsten.

Web: http://leeum.samsungfoundation.org/html_eng/introduction/welcome.asp

 

Namdeomun Markt

Eine amüsante Erfahrung, denn hier gibt es- einfach alles und somit viele Kuriositäten zu entdecken! Der Markt ist ein Erlebnis und jeden Tag geöffnet!

Web: http://content.time.com/time/travel/cityguide/article/0,31489,1848378_1848364_1848106,00.html

Haltestelle: Seoul Station

 

Salsa:

Naomi Salsa Club

Sehr gut Samstags und Mittwochs

Web: https://www.timeout.com/seoul/things-to-do/salsa-club-naomi

Facebook: https://www.facebook.com/SalsaClubNaomi/

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