Internationales

Sprachlos. Einfach nur sprachlos.

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Selten schüttelte mich eine Nachricht so wie diese. Trump triumphiert. Schmerz im Herzen, Schmerz in der Seele. Eine Art Schockstarre. Das Erdbeben hatte schon alle Medienkanäle erreicht, überflutete schon die News, flog über Google all over the world. "Amerika, wie konntest du dies zulassen?!" war die erste von so vielen Fragen, die mir sofort durch den Kopf schossen.

Wie nur, wie ist es möglich, dass so jemand wie Donald Trump wahrhaftig Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden ist? Wie konnten alle letzten Polls mich noch friedlich ins Bett lassen gehen?  Ist dies ein schlechter Traum und muss ich nur aufwachen, dann ist die Welt wieder ein bisschen in Ordnung? Ist die Show dann vorbei?

Nein.

Zum ersten Mal habe ich richtig Angst vor der Zukunft, die uns dieser Entscheidungstag 11/09 bringt. Selbst bei Busch hatte man das Gefühl, es bestehe noch ein Fünkchen Rationalität in ihm. Mit seinem Vater lenkte immerhin ein erfahrener Politiker und Staatsmann im Hintergrund das Schiff.  Trump dagegen ist noch unberechenbarer, er ist unerfahren, weltfremd, cholerisch. Noch nie hatte er ein offizielles Amt inne. Es gibt keine klare politische Linie, keine Agenda, kein erkennbares Wertesystem. Und wer ist die Clique um Trump? Wer gehört zu seinem Beraterstab?  Man kennt sie nicht, sie sind gesichtslos wie Schattenmänner. Und doch orchestrierten sie einen beispielhaft schmutzigen, jedoch wider aller Erwarten erfolgreichen Wahlkampf.

Die Wahrheit ist: Wir alle haben die Bubble mal wieder unterschätzt, in der wir uns befinden. Egal ob in Deutschland oder in den USA - wir kennen unsere eigene Mitte nicht mehr.  "Wir" - das ist die informierte, gebildete, privilegierte Schicht der Aufklärungsbürger. Wir sind aber anscheinend in der Minderheit.  Unsere Nachrichten - geschüttelt, getweetet oder geblogged: Sie kommen nicht an. Die großen gesellschaftlichen Fundamente: Demokratie, Toleranz, Rechtstaatlichkeit, Gleichheit, soziale Unterstützung - sie gehen unter im lauten Geschrei.

Angstmacherei, Ankreidungen, Anmaßungen - geschrien, gekeift voller Populismus in der Stimme, sie sind angekommen. Bei den Wutbürgern, den Angstbürgern. Sie wählen gegen eine aus ihrer Sicht elitäres System, das sie nicht verstehen. Das repräsentierte für viele wie keine andere Hillary Clinton. Ihre Erfahrung in der Politik war plötzlich nichts positives mehr, nichts Vertrauen stiftende. Im Gegenteil: Es stand für politische Korruption und den Distanz der Eliten zum Volk. Es sollte ihr die Präsidentschaft kosten.

Wir haben uns zu weit innerhalb unserer eigenen Gesellschaft entfernt, als dass ein konstruktiver Politdialog möglich ist. Dies zeigt das tragische Beispiel USA / Donald Trump und gilt nun, nicht in ein weiteres tragisches Beispiel Deutschland / AfD auszuarten.

Wir müssen nun aufwachen, aufklären. Mit mehr Geduld, mehr Menschlichkeit, mehr auf Augenhöhe als jemals zuvor. Lass uns Trump eine Lehre sein. Ändern können wir es nicht, nur stark und geeint dem Morgen begegnen. Und gemeinsam an einer Zukunft bauen, die uns alle trägt.

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