Kommunikation

BILD-Redakteur, Regierungssprecher, Kommunikationsberater: Bela Anda im Interview über eine bewegte Karriere!

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Bela Anda hat ein wahres Kaleidoskop der Kommunikation durchlebt- das heißt Öffentlichkeitsarbeit aus allen Perspektiven!     Er war zunächst als Journalist bei der Bild-Zeitung tätig, wurde dann unter rot-grün zum Pressesprecher ernannt. Im Anschluss an seinen Ausflug in die Politik, ging er in die Privatwirtschaft und war Chief Communications Officer bei Carsten Maschmeyer's Finanzdienstleister AWD. 2012 zog es Anda zur Bildzeitung zurück- er wurde stellvertretender Chefredakteur. Heute berät er Konzerne, mittelständische Unternehmen und Unternehmer in der Kommunikation. Ich freue mich, dass er sich die Zeit genommen hat, sich meinen Fragen zu stellen!

 

Bela, Du hast als Journalist gearbeitet, dann jedoch die „Seiten gewechselt“ und wurdest zunächst stellvertretender Regierungssprecher bei der rot-grünen Koalition, dann Regierungssprecher und Chef des Bundespresseamts. Wie kam es zu dem Wechsel in die Politik? Inwiefern konntest du von den Erfahrungen, die du im Verlag gesammelt hast, profitieren?

Béla Anda: Als Politik-Redakteur in meiner ersten Zeit bei BILD hatte ich für mich Gerhard Schröder entdeckt, damals Ministerpräsident von Niedersachsen. Seinen Lebensweg und seine Art, Politik zu machen, fand ich spannend. Ich schrieb ein Buch über ihn, die erste Biografie, die erschien. Auf dem Klappentext stand: Gerhard Schröder schickt sich an, erster SPD-Kanzler nach Willy Brandt und Helmut Schmidt zu werden. Als es sich abzeichnete, dass es so kommen würde, hat er mich gefragt, ob ich "mitmachen" will. Ich wollte.

 

Was hast du als die größte Herausforderung in der politischen Kommunikation empfunden? 

Béla Anda: Sicher die Kommunikation der Agenda 2010 - weitreichende Reformen für die Belebung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes. Die Ziele waren klar, die – zum Teil sehr harten – Maßnahmen brauchten Zeit, um zu wirken. Diese Zeit hatten wir nicht. Gewerkschaften und Linkspartei nutzen den organisierten Protest zur Mobilisierung. Rückblickend war der Mut, die Agenda 2010 zu machen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ein großer Gewinn. 

 

Kannst du dich an eine gelungene und eine daneben gegangene PR-Kampagne aus der Zeit erinnern? Nach heutigem Wissensstand – was ist bei letzterer falsch gelaufen?

Béla Anda: Für die Bewerbung des Tag der Offenen Tür der Bundesregierung sollte ich als Fotomotiv mosaikähnliche Mandala-Formen zusammensetzen. Das kriegte ich motorisch überhaupt nicht hin, die Berichterstattung war entsprechend. Gelungen war die damals aus genannten Gründen hart kritisierte Kampagne zur Agenda 2010, auch wenn ich Sie mir jetzt anschaue: Die Motive waren zeitlos-modern, hatten starke Botschaften mit intensiver begleitender Detail-Kommunikation und wirken noch heute frisch. 

 

Du bist dann zur Bildzeitung zurückgekommen: Wie hat dir im Umkehrschluss deine Kenntnis über den politischen Betrieb weitergeholfen? 

Béla Anda: Wer wie ich 7 Jahre den Regierungsapparat an exponierter Stelle von Innen erlebt, weiß viel über Abläufe. Genau das wussten auch meine Gesprächspartner von mir. Das hat mir vieles erleichtert und schneller gemacht. Wahr ist auch: Wer eine so starke Marke wie BILD politisch führt, hat immer besonderen Zugang zum Regierungsapparat. 

 

Als Redakteur bist du bestimmt oft von Unternehmen oder PR-Agenturen gepitcht worden. Was hat für dich einen guten von einem schlechten Pitch unterschieden? 

Béla Anda: Gepitcht worden bin ich nie. Hat jemand Exklusiv-Informationen, haben wir diese auf Plausibilität und Wahrhaftigkeit geprüft. Wenn Sie unseren journalistischen Kriterien entsprach, haben wir sie veröffentlicht.

 

 

Welche Tipps würdest du PR Beratern mit auf den Weg geben?

Béla Anda: Habt etwas Interessantes zu erzählen, überfordert Euer gegenüber nicht. Denkt in mehreren Wellen, an online, Social Media und Bewegtbild. Und auf welchen Kanälen Ihr wie dialogisch kommunizieren wollt, wenn die Story einmal draußen ist. 

 

Im Anschluss an deine Zeit in der Politik ging es für dich in die Welt der Wirtschaft und du hast für die AWD die Öffentlichkeitsarbeit geleitet. Was waren die größten Unterschiede zwischen politischer - und Unternehmenskommunikation? Was war ähnlich?

Béla Anda: Ähnlich war, dass ich auch in der Wirtschaft journalistisch denken musste, um Geschichten zu entwickeln und Themen in die Öffentlichkeit zu bringen. Der größte Unterschied war: In meiner Zeit im Bundespresseamt konnte ich Interviewpartner frei auswählen, in der Finanzdienstleistung musste ich aktiv auf Journalisten zu gehen.

 

Gab es eine Erfahrung, die dich in deiner PR-Arbeit besonders geprägt hat? 

Béla Anda: Für die Kommunikation rund um die Agenda 2010 wurde ich erst kritisiert, dann als Kommunikator des Jahres ausgezeichnet. Das hat mich bestärkt in kritischen Situationen zu stehen.

 

Wie kam es zu der Entscheidung dich selbstständig zu machen und wen berätst du jetzt? 

Béla Anda: Ein eigenes Unternehmen für PR, Coaching und Öffentlichkeitsarbeit zu gründen, war seit meiner Zeit als Regierungssprecher ein Lebenstraum. Besonders fasziniert haben mich immer die US-Regierungssprecher, die sich häufig und erfolgreich nach ihrer Karriere in der Politik mit einem eigenen Beratungsunternehmen selbständig gemacht haben. Wir beraten Start Ups; etablierte Unternehmen und Politik, wie zuletzt die Landesregierung von Rheinland Pfalz bei ihrem zweiten und erfolgreichen Vorhaben, den Flughafen Hahn zu privatisieren. Warum der Wechsel? Bei BILD hatte ich als Mitglied der Chefredaktion und Chef von Politik und Wirtschaft alles erreicht, was ich erreichen konnte. Und ich wusste: Jetzt ist die Zeit.

 

Wie hat sich die PR Arbeit deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert?

Béla Anda: Online hat vieles direkter, schneller und auch aggressiver gemacht. Heute muss man Aktionen in Wellen denken, und die unterschiedlichen Oberflächen kennen. Ich staune immer noch über Kollegen aus den großen Unternehmen, die sich darüber beklagen, dass Online-Journalisten sie nicht zurückrufen...und sage ihnen: "Das werden sie auch nicht tun..."

 

Lieber Bela,

ich bedanke mich für das interessante Gespräch!

 

Fotocredits: Bela Anda

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