Kommunikation

Frau vom Fach: Jenny Wiethölter kommuniziert bei und für Finanzcheck

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Einer meiner Lieblingsmenschen aus der Kommunikationsbranche ist definitiv Jenny Wiethölter - sie hat immer ein Lächeln im Gesicht wenn ich sie auf Veranstaltungen und Konferenzen treffe. Seit dem Sommer verantwortet sie die Kommunikation bei Finzanzcheck in Hamburg, nach vorherigen Stationen bei HanseVentures und Schoeller & von Rehlingen. So viel Erfahrung im Gepäck trotz ihrer jungen Jahre!  Grund genug also, sie ein wenig auszufragen. Viel Spaß beim Lesen!

 

Wie hast du den Weg in die PR-/Kommunikationsbranche gefunden? Was fasziniert dich daran?

Jenny: Es fing alles mit einem Seminar an der Universität Hamburg, im Rahmen meines Bachelor Studiums in BWL, an. Meine Professorin für Strategisches Management, Prof. Dr. Nicola Berg, hatte mich mit dem Thema „Public Affairs Management in den BRIC Countries“ betraut. Beim Wälzen einschlägiger Literatur fiel mir dann auf, dass der Job des Public Relations Managers mit seinen Anforderungen und Aufgaben gut zu mir passen könnte. Viel besser als alles andere, was ich bis zu dem Zeitpunkt an der Uni gelernt hatte. Ein Unternehmen zu repräsentieren und gute Kontakte zu allen Stakeholdern zu pflegen, schien meinen persönlichen Talenten mehr zu entsprechen, als Excel-Tabellen mit Zahlen zu füllen oder Lieferketten zu optimieren.

Während ich noch an meiner Seminararbeit schrieb, stolperte ich über einen Artikel in der InStyle, in dem Frau Schoeller und Frau von Rehlingen vorgestellt wurden – die PR Ladies schlechthin! Ich habe mir kurzerhand den Hörer geschnappt, bei Schoeller & von Rehlingen angerufen und meinen CV rübergeschickt. Eine Woche später hatte ich ein Bewerbungsgespräch und dann die Zusage für ein 6-monatiges Praktikum. Wie oft in der PR, war hier auch ein persönlicher Faktor ausschlaggebend. Alexandra von Rehlingen ist sehr an der Chinesischen Kultur interessiert, eine wahre Kennerin, und da ich praktischer Weise gerade ein Auslandssemester in Shanghai eingeplant hatte, waren wir uns auf Anhieb sehr sympathisch. Mich mit Menschen über Gemeinsames zu vernetzten und etwas zu teilen, ist einer meiner größten Glücksgaranten im Leben.

Genau dieses Gefühl fasziniert mich an PR! Ich habe schon als Kind gerne Partys gefeiert, mich wie eine kleine Erwachsene unterhalten und dafür gesorgt, dass es allen gut geht. Das Bedürfnis nach Harmonie und Verbindungen war schon immer stark bei mir ausgeprägt und diesem inneren Ruf bin ich dann gefolgt. Man hat natürlich erst mal nur eine Idee davon, wie das Berufsleben eines Tages aussehen wird und PR bedeutet nicht, jeden Tag auf schicken Cocktail-Partys zu networken, sondern in erster Linie harte Arbeit. Im Bestfall lernt man seinen Beruf mit der Zeit nicht nur kennen, sondern auch lieben.

 

Was macht gute PR für dich aus?

Jenny: Ich mag an PR, dass man die Chance bekommt viel zu geben. Seien es Informationen, Kontakte oder Einladungen zu tollen Veranstaltungen. Außerdem kommt man viel rum und lernt spannende Menschen kennen. Es reizt mich, gute Geschichten zu entdecken und zu erzählen. Heute hat man ja unzählige Formate in denen man das tun kann. Gute PR ist relevant und authentisch. Das klingt sehr einfach, ist aber in vielen Unternehmen ziemlich schwer zu entfalten. Daher sollte die PR auch direkt an der Geschäftsführung aufgehängt sein, weil sie die ganze Company betrifft. Idealerweise ist man als guter Kommunikator nicht nur außerhalb des Unternehmens gut vernetzt, sondern auch innerhalb, denn nur so entdeckt man Themen, die attraktiv für die Öffentlichkeit sind. Generell gilt auch, dass man alleine nicht weit kommt. Das Unternehmen sollte als Ganzes hinter der Kommunikationsstrategie stehen und mitwirken. Jeder ist dann ein kleiner Pressesprecher und hat Einfluss auf das öffentliche Bild. Das wäre mein Ideal.

 

Du hast dein Volontariat in der renommierten Agentur PR-Agentur Schoeller & von Rehlingen gemacht und dort vor allem für Großkunden gearbeitet. Was waren deine wichtigsten Learnings aus der Zeit dort? Wie hat dir die Agenturluft gefallen?

Jenny: Die Zeit bei Schoeller & von Rehlingen PR war eine gute Basis, um grundlegende klassische PR zu lernen. Mitgenommen habe ich einen Hang zum Perfektionismus, alles 1.000 Mal zu kontrollieren und sorgfältig zu arbeiten. Das ist Fluch und Segen zugleich, wenn man dazu neigt sich unter Druck zu setzten, führt aber zu exzellenten Ergebnissen.

Außerdem habe ich Durchhaltevermögen und Bescheidenheit gelernt. Verteiler mit 500 Kontakten aktualisieren, 200 Weihnachtsgeschenke verpacken, 15 Stühle im Konferenzraum polieren, stundenlang lächelnd auf einer Preisverleihung mit Blumen am Bühnenrand warten… The list goes on. Man muss sich seinen Platz erarbeiten und ich will keine dieser Erfahrungen missen.

Aber aufgepasst, der Teufel liegt im Detail und trägt auch manchmal gerne Prada. Das es in Mode-Agenturen mit bis zu 100% Frauenquote auch öfter mal zickig zugeht, überrascht wohl keinen, ist aber wirklich nichts für mich. Ich mag lieber mit Techies oder den Jungs vom Sales zusammenarbeiten. Den sachlichen Umgang und den Fokus auf gute Ergebnisse schätze ich an Digitalunternehmen sehr. An der Oberfläche zu kratzten, macht mich langfristig nicht happy.

 

Während du bei Schoeller & von Rehlingen Großkunden betreut hast, drehte sich bei Hanse Ventures alles um Startups. Was sind die größten Herausforderungen in der Kommunikationsarbeit für/mit Startups? Was können sie von den „Großen“ lernen und wo sind sie ihnen vielleicht sogar voraus?

Jenny: Bei etablierten, großen Marken trägt man viel Verantwortung all das Geschaffene auch würdig zu vertreten und hat häufig kaum Spielraum, Kommunikationsstrategien weiterzuentwickeln. Entscheidungsprozesse dauern, es sind viel zu viele Personen involviert und oft werden Dinge auf Grund von Angst nicht probiert. Das hat so nicht meinem Wesen entsprochen, zumindest bis heute fühle mich wohler, wenn eine grüne Wiese vor mir liegt und ich all meine Ideen ungefiltert einbringen kann. Da habe ich mich in der Welt der Startups auf Anhieb mehr entfalten können. Fehler sind Learnings und bedeuten nicht, dass einem der Kopf abgeschlagen wird – was in Agenturen schon mal vorkommen kann. Abteilungsdenke wird im Startup durch Teamgeist ersetzt und den Entscheidern geht es um das Unternehmen, nicht (so oft) um politische Machtkämpfe und Egoprobleme. Ich bin also Pro-Startup! Oder auch für etablierte Marken, die zumindest mit der Attitude eines Startups arbeiten.

 

Erinnerst du dich an eine besonders gelungene und eine sehr schief gegangene PR-Aktion?

Jenny: Ich habe keine wirkliche Katastrophen-Story aus meiner eigenen Karriere (bisher) vorzuweisen, aber dafür viele kleine Learnings, die ich aus Erfahrungen sammeln durfte. Wie, das Cold Callings häufig nicht so gut ankommen und ich in Persona deutlich lieber arbeite und besser performe, als mit einem Hörer zwischen mir und den Journalisten. Auch Massenmailings stoßen mir eher übel auf. Viel besser: aktiv und professionell die eigenen Kanäle bespielen, individuelle Ansprache und lernen, was einem Relevanz verleiht. Qualität vor Quantität und Beziehung vor Spam Mailings!

Ein Erfolg war sicher der Relaunch des Hanse Ventures Start-ups Pay with a Tweet zu firal, den wir in schlanken 3 Monaten über die Bühne gebracht haben. Ich konnte unseren CEO, Aaron Keilhau, damals sogar für ein Interview ins Fernsehen bringen. Das sind Momente puren Glücks. Oder Houman Gieleky von Toptranslation als Speaker auf den Kommunikationskongress zu bringen, war auch so ein Moment.

Man lernt im Startup, aus Luft und Liebe viel zu machen. Diese Schule empfehle ich jedem angehenden Kommunikationsmanager.

 

Liebe Jenny, ganz herzlichen Dank für das nette Gespräch!

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