Start-Up Welt

Anti-Denglisch Initiative: Ein Appell an die Rückbesinnung auf deutsches Vokabular in der Gründerszene.

Start-Up Welt

Aus meiner Serie: "Was mir alles bei der Arbeit mit Start-ups auffällt...." Diesmal ein Zwischenruf: Die deutsche Sprache, meine Damen und Herren!

 

 

Liebe Jungunternehmer und Jungunternehmerinnen,

 

ich werde nie müde zu betonen, wie viel Spaß mir die Arbeit mit euch macht und wie sehr ich meine Selbstständigkeit aufgrund der Vielfalt der Geschäftsmodelle, Charaktere und neuer Ideen liebe. ABER jetzt kommt das große Aber: Bei der Wahl eurer Ausdrucksweise dreht es mir so manches Mal meinen ansonsten durchaus strapazierfähigen Magen um.

Oft genug, wenn ich aus einem Treffen oder einer Telefonkonferenz herauskomme, denke ich: Wie schwierig ist es denn nur, Englisch zu benutzen, wenn man Englisch spricht und Deutsch, nun wenn wir uns eben auf Deutsch unterhalten?

Versteht mich nicht falsch: Alle die mich kennen wissen, wie nah mir die englische Sprache ist und dass ich mich immer freue, Englisch reden zu dürfen. Allerdings dann bitte auch ganz! Ich habe selbst lange im Ausland gelebt und weiß auch wirklich wie es ist, wenn einem partout ein bestimmtes deutsches Wort nicht mehr einfällt. Bei mir fehlten dann hin und wieder Übersetzungen für so wunderbare englische Wörter wie „considerate“, „cheeky“ oder „subtle“. Allerdings muss man auch ehrlich zu sich selbst sein und zugeben – selbst nach fünf Jahren im Ausland war nach zwei Wochen in Deutschland das alte Vokabular wieder weitestgehend hergestellt. Und keine erwartet einen wandelnden Duden mit 200.000 Wörtern.

Nun ist jedoch gerade in der Gründerszene die inflationäre Nutzung von englischen Wörtern, die nun wirklich einfach übersetzt werden können, einfach nur – schmerzvoll.

 

Ein paar Beispiele, die meine Ohren kürzlich konsumierten mussten:

 

„Wir ownen dieses Topic!“   - da wird einem doch wirklich schlecht

 

„Welchen Inhalt sollen wir zuerst publishen?“    - auweia

 

„Unsere Company Culture ist tolerant und offen“    - yayks

 

„Leider war der Pitch ein complete fail!“    - auahh meine Ohren

 

„Die haben uns richtig gepusht“      – oweee

 

„Ich muss die Powerpoint noch finetunen.“    - Hmpf

 

"Gerade in Italien und Frankreich müssen wir viel in Trust investieren." - ahhh Vertrauen ist so ein schönes Wort!

 

„Danke für das Heads-up     – kein Kommentar

 

"Wir machen viel für die generelle Awareness und Attention!" - Hiiilfe

 

 

und jetzt das absolute Highlight:

 

 

Können wir diese Woche einen gemeinsamen Call aufsetzen und die Next Steps besprechen?“    - also wirklich!!!

 

Und nun stellt euch vor – dies ist nur eine kleine Auflistung des täglichen linguistischen Schluck-aufs, dem ich begegne:

Egal ob ich den Online Marketing Rockstars Podcast höre, auf Konferenzen unterwegs bin, fremde Pressemitteilungen- oder den Business Punk lese: Das "Denglisch" ist allgegenwärtig. Ich gebe zu, dass Wörter wie Start-up, Due Diligence, Pitch oder Term Sheet genauso wenig aus dem Gründervokabular wegzudenken sind, wie in der Kommunikation die Wörter Branding, Content oder Conversion. Aber darüber hinaus sollte es doch nicht so schwierig sein? Kann man „values“ nicht einfach schnell in Werte übersetzen? Aus "Das ist wirklich challenging" eine große Herausforderung machen? Den Wunsch, jemand möge eine „awesome Woche“ haben leicht in eine „tolle Woche“ übersetzen? „Ich bin flattered“ ganz vielleicht in ein elegantes „ich bin geschmeichelt“? Fehlt es an Zeit, Lust, Investitions-Willen in die eigene Sprache oder an allem?

Denn es ist ja nun einmal so: Die deutsche Sprache ist wunderbar wandelbar. Sie ist facettenreich und reichhaltig. Eine Studie von Wolfgang Klein, dem Leiter des Max-Planck-Instituts für Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik und Leiter des Digitalen Wörterbuchs der Deutschen Sprache, kam zu folgendem Ergebnis:

 

In einem Textkorpus der deutschen Gegenwartssprache, das eine Milliarde Textwörter lang ist, kommen etwa 5,3 Millionen lexikalische Einheiten – also Wörter, so wie sie im Wörterbuch stehen – vor.“

 

Eins ist also sicher:  Man kann nicht entschuldigend vorbringend, dass keine Auswahl vorhanden wäre.....

 

 

In diesem Sinne:

 

Dear friends, bitte use more Deutsch! Sänk you.

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