Start-Up Welt

ello – da bewegt sich was

Start-Up Welt

Viel wurde und wird über die Generation Y geschrieben. Was sie antreibt, was sie motiviert, was ihre Prioritäten sind, wieviel sie bereit sind für was zu arbeiten. Letztlich kann man hin und her philosophieren, kann sie als „Komfortgeneration“ geißeln und ihr „ich will doch nur Leben“-Mentalität kritisieren. Für mich ist sie letztlich eine sich durch eins bezeichnende Generation: Dadurch, dass man nicht über ihre Köpfe hinweg generalisieren kann. Sie ist zu facettenreich, zu bunt. Ein schönes Gegenbeispiel zu den oft vorgetragenen Digital-Nomaden und YOLO-Stories liefern drei Gründer aus Stuttgart. Der eine ist Diplom-Mechatroniker, der andere Maschinenbauer, der dritte hat seinen MBA in den USA gemacht

Dreimal dürft ihr raten, was sie beruflich machen? Klar würdet ihr sagen: Sie sind bestimmt bei Daimler. Oder bei der Lufthansa. Der mit dem MBA ist bestimmt in Richtung Unternehmensberatung gegangen, dann ausgestiegen und hat irgendein Digitalprojekt gestartet.

Stimmt nicht. Sie befassen sich seit zwei Jahren mit dem Thema Rollatoren.

Was als Uniprojekt begann, ist nun ihr gewählter Karriereweg geworden. Was bringt junge Ingenieursstudenten dazu, sich mit Gehhilfen für ältere und kranke Menschen auseinanderzusetzen? Was treibt sie an, statt sich eine gute Position in einem großen Unternehmen zu sichern, ein eigenes Start-Up zu gründen, dass ausgerechnet auf Rollatoren spezialisiert ist? Die erste Antwort ist: Der dringende Bedarf, der allein im engen Familienkreis festgestellt wurde. Die zweite ist: Der unbedingt Wille etwas zu bewegen. Und dies muss nicht im Tesla-Tempo eines Elon Musks sein- nein, es gehen auch ein paar km/h weniger. Aber: diese km/h können für Millionen von Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, sehr, sehr viel ausmachen.

Max, Ben und Matthias haben einen besonderen Rollator entwickelt: Einen, der elektronischen Antrieb hat. Doch nicht nur dies: Ihr Rollator, den sie ello nennen, kann noch viel mehr: Er hat ein integriertes GPS, ein Notfallrufsystem, eine stattliche Beleuchtungsanlage, so dass die Unterwegsler damit auch in der Dämmerung gut gesehen werden. Apropos, wo ich gerade noch von Features redete: Ja, eine Hupe wurde auf Nachfrage mancher Test-Rollator-Rennfahrer auch eingebaut. So viel zu dem Thema Geschwindigkeit.

Der ello verfügt darüber hinaus über eine Bremsfunktion für Bergab-Strecken- denn neben dem Antrieb für Bergauf ist dies ein nicht zu unterschätzendes Feature: Es war gerade der abschüssige Weg in der Nähe ihres Hauses, welcher der Oma eines Freundes daran hinderte, im fortgeschrittenen Alter überhaupt selbst einkaufen zu gehen. Das Problem war erkannt. Und die Stuttgarter Entwickler nahmen sich dem Thema an.

Ich muss sagen, dass mich die ello-Gründer und ihre Geschichte sehr beeindruckt hat. Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass das Thema Älterwerden nicht gerade sexy ist: Die meisten haben Angst davor. Irgendwann will man bei Geburtstagen lieber gar nicht mehr nachzählen um welchen es sich handelt, oder das Alter rückwärtszählen. Unvergessen in jedem älter werdenden Ohr das bekannte PUR-Lied: Ein graues Haar.

Wieder geht ein Jahr...

Nur die Schönheitsindustrie erfreut sich dem anhaltenden ewig-Jungbleiben-Wahn und rüstet mit entsprechenden Botox- und anderen Anti-Falten-Produkten auf.

Und hier sind diese Start-Upler und haben es einfach erkannt: Es hilft nichts! Wir alle werden trotzdem älter!!

Wir müssen uns also früher oder später mit der damit einhergehenden möglichen Un-Mobilität auseinandersetzen. Besser früher, denn dann hat unsere Eltern- und Großelterngeneration auch noch etwas davon. Und während wir technisch in allen anderen Bereichen (das Tesla Tempo hatte ich ja vorhin schon kurz erwähnt) mit genialster Technik nachrüsten, die Motoren leistungsstärker und Autos schneller machen, so ist doch in den weniger speed-trächtigen Bereich der Gehhilfen wenig passiert. Dabei wissen wir alle, wie es um den demographischen Wandel in Deutschland steht: Der geht jetzt nämlich richtig los und lässt uns alle Generationenverträge ungewollt brechen.

Somit: Chapeau und danke an das Team von ello und ihrem jüngst gegründeten Unternehmen eMovements: Toll, dass es Start-Ups gibt, die sich um solch wichtige Entwicklungen kümmern.

 

Meike Neitz

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