Start-Up Welt

Hamburg's Startup-Perlen

Start-Up Welt

Ich denke, wir können uns alle einig sein, dass die Stadt-Land-Fluss Diskussion in der deutschen Gründerwelt überholt ist. Berlin? Hamburg? oder Stuttgart? Egal! In allen Städten gibt es top Gründer, gibt es wunderbar bunte Einhörnchen, es gibt es sagenumwobene Fuckups, zahlreiche Wiederaufsteher, Kämpfer und Kämpferinnen.      

Wie in so vielen Dingen des Alltags spielt die Quantität auch hier eine nicht so große Rolle wie die Qualität der Startups. Natürlich: Eine gewisse Mindestzahl an Unternehmen ist erforderlich, damit ein netzwerkendes Ökosystem entsteht. Aber dieses Minimum erreichen selbst kleine Städte wie Bremen, Bielefeld oder Rostock leicht - von Hamburg, Köln oder München gar nicht zu sprechen.

Ich habe festgestellt: Gerade ein kleinerer urbaner Brutkasten kann viele Vorteile haben. Im Vergleich zu unserer Startup-Zentrale Berlin, haben wir in Hamburg eine überschaubare Startupszene. Was ich nicht verstehe ist, warum hat ausgerechnet ein so wunderbares Wort wie „überschaubar“ heute eher eine Negativbedeutung?

Ich bin durch meine Arbeit für Vural Öger und die Höhle der Löwen in die Hamburger Welt der Gründer eingetaucht. Ihre Überschaubarkeit bedeutete für mich vor allem eins: Ich habe unglaublich schnell alle möglichen Leute kennengelernt.  Dank der Offenherzigkeit der lokalen Startupper, die sich über Neuankömmlinge in ihrem Kreis freuen und diese dann auch entsprechend warm willkommen heißen, fand ich schnell Anschluss, sowie tollen Austausch.

Besonders nennenswert sind an dieser Stelle die Heldinnentaten zweier Damen, die sich mit Herz und Seele für ein allumfassendes lokales  Unternehmertalent-Gewächshaus einsetzen. Sina Gritzuhn und Sanja Stankovic gründeten Hamburg Startups und damit eine selbstbewusste Stimme für alle Unternehmer-Nordlichter und für all die, die es noch werden wollen. Mit Networking- und Informationsabenden, Pitchevents wie Startups@Reeperbahn oder dem SXSW Pre-Pitch, einem umfangreichen Informationsportal und einem Startup-Monitor haben sie es geschafft, uns alle zu vernetzen.  Egal ob es die Meldung über eine neue Finanzierungsrunde von Figo ist, der Auftritt des Hamburger Unternehmens Ankerkraut bei Höhle der Löwen, das Undercoverkonzert von Bosse für SofaConcert oder ein ausführlicher Bericht zur Fintechweek: Hamburg Startups informiert, klärt auf. Oder lädt ein. Ist Startup-Mixer angesetzt, ist der Lieblingsabend des Monats vordefiniert: Zeit für einen schönen, in regelmäßiger Unregelmäßigkeit veranstalteten Netzwerk-Treff.

Während man in Berlin eine leichte Eventüberforderung konstatieren kann, hält sich das bei uns im Norden in absolut vertretbaren Rahmen: Es gibt ab und an Events- und diese enden brav und ohne Augenringalarm relativ zeitig. Neben dem Startup-Mixer, gibt es wechselnde Veranstaltungen im alteingesessenen betahaus oder der neuen Coworking-WG Mindspace. Aber auch Formate wie 12min.me, die Hamburger Fuckup-Nights oder der Ebizztalk bei Hanse Ventures sind immer interessant und lohnenswert.

Das Schöne: Man trifft immer neue Leute, aber eben auch oftmals die Menschen wieder, mit denen man beim letzten Mal ein Gespräch angefangen- aber nicht beendet hatte, mit denen man noch keine Kontaktdaten ausgetauscht- oder über eine mögliche Kooperation gesprochen hatte.  In Hamburg: Flucht zwecklos- man sieht sich garantiert zweimal im Leben! Es ist dadurch auch durchaus angenehm, nicht immer beim Basis-Smalltalk (wer bist du, wo wohnst du, was machst du?) anfangen zu müssen, sondern direkt auf einem höheren Level wieder einsteigen zu können.

Auch größere Tagesveranstaltungen, inzwischen zur Gattung der fest etablierten Kalendereinträge für aktive Netzwerker gehörend, wie der Startups@Reeperbahn-Pitch oder die Neumacher Konferenz der Wirtschaftswoche, sind nennenswert. Und, ja, ja wir können auch Hipster: Die totale Szenekonferenz ist natürlich Online Marketing Rockstars, die das nächste Mal am 03. März 2017 stattfindet. Werde gesehen.

An Startups tummelt sich inzwischen einiges, was sich einen Rang und Namen erarbeitet hat: Familonet mit über 1 Millionen aktiven Usern, schon eingangs erwähnte Figo, die neuerdings die deutsche Börse zu ihrem Gesellschafterkreis zählen, Fashion-Startups wie Rebelle oder Webseitenbaukasten wie Jimdo: Alles Kinder der Hansestadt.  Jetzt darf man gespannt sein, wer in der nächsten Generation aufsteigt und sich auch nachhaltig etablieren kann. Die Tatsache, dass mit Limberry, Ankerkraut, Thinks mit dem Towell+, Gesund & Mutter, Kale & Me und Sugarshape allein fünf Startups in der dritten Staffel von Höhle der Löwe zu sehen waren, ist ein netter Funfact.

Je mehr Vorbilder auch in der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden, umso besser. So bin ich voller Zuversicht, dass die lokale Szene weiterhin wächst und gedeiht, dass sie sich wie bei mir über jedes neue Gesicht freut, aber es eben auch schätzt, die alten Nasen wiederzusehen und das Netzwerk nicht ständig oberflächlich zu erweitern, sondern auch in der Tiefe zu pflegen.  

Bis ganz bald, ihr Lieben!

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