Start-Up Welt

Über das nebenberufliche Gründen (und wie es ist beruflich gefunden zu werden)

Start-Up Welt

Es ist schon erstaunlich, wie das Leben so spielt. Ich habe von mir eigentlich nie-wirklich-niemals gedacht, dass ich mich einmal selbstständig machen würde. Ich bin zwar abenteuerlustig was meine Reisen, meine Freizeitaktivitäten und (okay zugegeben) auch meine bisherigen Beziehungsachterbahnfahrten angehen, aber in Bezug auf Jobangelegenheiten, so war ich bis dato ein Sicherheitshühnchen: Ich fühlte mich doch stets im Schutzmantel eines Unternehmens sehr gut aufgehoben.  

Ich habe jedoch, dessen bin ich mir bewusst, in meinen vorherigen Arbeitsplätzen viel Glück gehabt: Eine mühlenradmäßig mahlende, typisch-bürokratisch-langsame Corporatewelt habe ich nicht kennengelernt. Ich musste früh viel Eigenverantwortung übernehmen, musste morgens nicht „einchecken“, wann ich zur Arbeit kam und fühlte mich daher nicht in einem System gefangen, in dem ich wie in einem Hamsterrad lief, ohne jemals von der Stelle zu kommen.
 

Doch wie schon John Lennon weise feststellte: „Life is what happens while you are busy making other plans“ – “Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen”. Ich hatte zwei Jahre bei Vural Öger gearbeitet, war dort vor allem für Kommunikation und die Höhle der Löwen zuständig gewesen und dachte, ich würde nach zwei Staffeln auch noch eine dritte machen. Doch dies änderte sich abrupt und ich war gezwungen, mich neu zu orientieren. Die Frage war: Wo sollte ich mich bewerben? Würde ich schnell einen neuen Job finden?  Und vor allem: WAS genau wollte ich nun eigentlich machen?

Ich entschied mich dann erstmal für das Einzige, was niemals eine falsche Entscheidung ist:  Reisen und ging für sechs Wochen ins Ausland. (Kleine Anmerkung der Redaktion: Ich würde jedem der/die auf Jobsuche ist, das gleiche empfehlen. Erstmal raus. Atmen).

Das Schöne an meiner Erfahrung war und dies würde ich jedem wiederum wünschen, der/die auch auf Jobsuche ist: Während ich weg war, fanden die beruflichen Möglichkeiten mich. Einfach so. Das ist ein totaler Traum, das ist mir klar. Ich hatte das Glück, durch meine vorherigen Berufsstationen ein gutes Netzwerk aufgebaut zu haben und als Allrounderin („Alles ein bisschen, nichts richtig“) hatte ich mir einen großen Erfahrungsschatz erarbeitet. Dabei war die Kommunikationsarbeit sowohl bei Der Höhle der Löwen, als auch in den Touristikfirmen von Herrn Ögers Firmengruppe immer der Planet gewesen, um das sich bei mir alle anderen Satellitentätigkeiten kreisten: Es war das Herz meiner Arbeit und auch das, was mir am meisten am Herzen lag.

Niemals hatte ich jedoch überlegt in die Selbstständigkeit zu gehen. Doch die Opportunität fand mich. Als ich so im wundervollen Freiheitsraum der unbegrenzten Möglichkeiten schwebte, wurde ich von einem Startup angesprochen, die bei der nächsten Staffel DHDL dabei sien würden. Sie bräuchten dringend Unterstützung in der PR und ob ich ihnen nicht helfen konnte? Ob ich ein wenig Löwenhöhle-Tipps & Tricks coachen könnte. Klar konnte ich. Auf jeden Fall wollte ich.

Gleichzeitig kam ich mit einem langjährigen und engen Geschäftspartner ins Gespräch, der mich fragte, ob ich nicht als Co-Founderin in seinem neuen Startup mit einsteigen wollte. Über die Geschäftsidee sprachen wir schon seit einem Jahr, jetzt war das Timing. Auf jeden Fall wollte ich. Klar konnte ich?!?!

Wie nun diese komplett unterschiedlichen Dinge zusammenführen? Musste ich mich für eins entscheiden? Oder waren sie irgendwie miteinander vereinbar? Auf der einen Seite wurde ich als Beraterin angefragt, auf der anderen Seite sollte ich selbst noch einmal quasi die Schulbank drücken und mich auf die „andere Seite der Macht“, nämlich die eines Jungunternehmens begeben. Ich überlegte, ich wägte ab, ich recherchierte.

So lernte ich zum ersten Mal, dass es möglich ist sich nebenberuflich selbstständig zu machen- eine Semi-Selbstständigkeit quasi. Ich dachte: Super – genau das Richtige für mich! Ich kann wieder auf mehreren Hochzeiten tanzen, ohne die eine oder andere auslassen zu müssen. Ich könnte beide neuen Jobprofile erst einmal testen und nebenher laufen lassen, ohne mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen.

Ermutigend war: Ich hatte eigentlich ein großes Bürokratie-Schreckengespenst im Kopf, wenn ich an eine Selbstständigkeit dachte. Ich hatte unendliche Ausfüllforms, lange Wartezeiten in irgendwelchen sterilen Behördenräumlichkeiten erwartet. Nicht doch. Ich darf an dieser Stelle ein großes Lob an die Organisation der Stadt Hamburg loswerden:  0,0 Stunden oder sogar Minuten Wartezeit. Sowohl meine Gewerbeanmeldung, als auch der Gang zum Finanzamt waren angenehm überraschende, regelrecht entspannte Besuche. Ich bezahlte zwanzig Euro ein, bekam eine Gewerbeanmeldungs-Bestätigung (solche Worte gehen auch nur auf Deutsch! ;-) und wenig später meine Steuernummer. Vom Finanzamt kam noch ein umfangreiches, informatives Startup-Paket mit Unterlagen und konnte anfangen- spektakulär unaufregend.

Ich sprach dann meine nebenberufliche Tätigkeit mit meiner neuen Start-Up-Festanstellung ab, die ging in Ordnung und ich fing dort mit einer reduzierten Arbeitszeit an. Und legte los. So einfach, sehr erfolgreich und vor allem: Unabhängig, mit viel Eigenverantwortung, allen Gestaltungsmöglichkeiten der Welt, allem Raum zum Atmen der Welt.  Zudem ergaben sich durch meine parallelen Arbeitsfelder viele Synergien und neue Kontakte, die für beide Tätigkeiten gleich hilfreich waren. Eine win-win für alle also.

Für jede/n also, der in seinem Bereich einen besonderen Fähigkeitsgrad erreicht hat und diesen auf freiberuflicher Weise auslagern könnte, für jeden der gerne ein sein Herzensprojekt zum Beruf machen möchte, ohne ganz in die vollen zu gehen, dem/der kann ich hiermit nur Mut zusprechen: Der Schritt lohnt sich. Er tut besonders durch den Status der Nebentätigkeit nicht weh. Ich habe mir hier den Schutzrahmen, den das Unternehmen bietet, trotzdem beibehalten. Ich habe den Luxus, nicht auf jeden Auftrag angewiesen zu sein. Ich lebe nicht mit der Existenzangst von vielen Selbstständigen, ob und wenn ja wann wohl das nächste Projekt wieder reinkommt, was denke ich ein großer Hinderungsgrund einer eignen Gründung ist.

Und zudem hatte ich durch die Nebenberuflichkeit die Möglichkeit, dieses System erst einmal für mich zu testen. War ich überhaupt gut genug in der Kommunikations- und PR-Arbeit, das ich immer wieder gebucht werden würde? Wie kam ich mit dem Rhythmus klar? Wie war das Kundenfeedback und würde die Akquise laufen? Zum Glück war es in meinem Fall so, dass ein Projekt durch gute Resonanz und Empfehlung in das nächste überging. Ich hätte in manchen Wochen gerne meine Wochentage auf 8 verlängert, weil so viele spannende Themen zur Bearbeitung ausstanden und ich so viele interessante Projektanfragen bekam.

 Ich bin ein Glückpilzchen, das ist mir klar- doch hätte ich den Schritt nicht gemacht, hätte ich den Mut nicht gehabt, es einfach mal zu probieren, dann hätte das Glück auch keine Chance gehabt, mich zu finden.

 

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